Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Amsterdam auf dem Fahrrad

June 8th, 2009 written by moritz

Lange geplant, endlich umgesetzt. Nachdem das letzte Treffen der deutsch-schweizerischen Indienfraktion sich auf den Herbst 2007 zurückdatieren lässt wurde lange darum gerungen, einen Termin für ein erneutes Treffen zu finden. Der Ort war früh klar. Amsterdam. Robert arbeitet hier seit einiger Zeit und bewohnt dort mit Freundin eine Wohnung. Perfekte Home Base für allerlei Unternehmungen. Das Teilnehmerfeld war eigentlich auch klar. Die Selben wie beim letzten Mal, jedoch stand schon früh fest, dass auf Sebastian auf Grund seiner neuen Position in Singapur verzichtet werden muss. Der Rest wollte eigentlich teilnehmen, überraschend kam nur noch die kurzfristige Absage von Davide, der sich zu Hause auf ein Assessment Center für die kommende Woche vorbereiteten musste. Aus jetziger Sicht und um die Erfahrungen des Wochenendes reicher: ein weiser Entschluss.

Der Abend des Freitags

Los ging es für mich am Freitag Nachmittag, mit dem Zug von Hamburg nach Amsterdam, mehrmaliges Umsteigen inbegriffen. Fünf Stunden Zeit, verschiedene Bücher, die derzeit geöffnet sind zu lesen und immerhin eines sollte auf der Heimfahrt auch beendet werden. Ankunft am Bahnhof als Erster der “Ausländer”. Robert treffe ich gleich auf dem Vorplatz. Da die Züricher Jungs, Philipp und Marcos zusammen mit Matthias erst eine Stunde nach mir ankommen sollten, nutzten wir die Zeit solange, eine Spelunke in bahnhofsnähe aufzusuchen um uns erst mal mit unserem, für das Wochenende sozusagen Grundnahrungsmittel, Heineken zu versorgen. Verwunderlich war der Sand, der sich auf den Dielen befand, da aus meiner Erinnerung an den letzten Besuch in Amsterdam kein Sandstrand in unmittelbarer Nähe liegt. Die Aufklärung erfolgt durch den Exilanten. Der Sand sei deshalb schon auf dem Boden verstreut, um das potentiell ausfließende Bier zu binden. Klassisch, holländisch, Käse. Wenn ich mir den Sand zusammen mit klebrigem, feuchten Bier als eine Form von flüssigem Beton vorstelle, verschließt sich mir relativ schnell der Sinn dieser Aktion. Außerdem ist es auch nicht unbedingt eine schonende Behandlung der Fußbodendielen. Auf der anderen Seite: Wahrscheinlich macht man das halt schon immer so und deshalb bleibt man dabei. Egal, nach zwei Bier machten wir uns auf den Weg zum Flughafen Schipohl um die drei anderen ab zu holen. Zum Glück waren die Flüge pünktlich und die Jungs schnell durch, so dass sich der Aufenthalt am Flughafen auf das Nötigste reduzierte. Gepäck zu Renske und Robert gebracht, dort erst mal mit allen zusammen angestoßen um dann noch auf einen Absacker um die Ecke zu gehen. Es ging stark auf Mitternach zu, die Erschöpfung vom zuvorigen Arbeitstag und Anreise ließ den Abend relativ früh enden. Nicht ohne vorher die Grachten Amsterdams mit Eigenflüßigkeit therapiert zu haben.

Der Samstag

Der nächste und einzig volle Tag startete so auch schon um zehn Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Anschließend nutzten wir die Möglichkeit uns den Gegebenheiten anzupassen und mieteten uns Fahrräder für die nächsten 24 Stunden. Der Rest des Tages bestand aus einer rießengroßen Fahrradtour, mit zwischenzeitlichen Stops zur Nahrungs- und Energieaufnahme. Die Themen die sich bei einem Zusammentreffen von langzeit-Indiengeschädigten, sozusagen zwangsläufig ergeben drehen sich meist ums Essen und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten. Es ist deshalb nur bedingt kritisch zu sehen, wenn ich hier jetzt behaupte, wir haben viel „Scheiß“ geredet. Abseilen, Konsistenz und allgemeine Lebensmittelverträglichkeit sind unerschöpfliche Themen aus den Erfahrungen der Gruppe. Höhepunkt des nachmittäglichen Trips stellt vielleicht das Vorbeiziehen des holländischen Nackt-Fahrradklubs dar. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten? Schön war es nicht. Hoffentlich nutzten die ihre eigenen Fahrräder, wenn ich mir vorstelle, ein Nackter war der Vornutzer meines Leihfahrrades, muss ich zwangsläufig die genutzen Hosen in die Waschmaschine geben. Der Tag verging im Flug. Abends nett Essen, in einem klassisch Lokal mit Hausmannskost, und zur Verdauung ein kleines Selbstexperiment mit einer hochprozentigen regionalen Spezialität: Genever. Es folgte der Abstecher ins Rotlicht-Viertel. Eigentlich bin ich der Ansicht aus Hamburg schon einiges zu kenne, jedoch übertrifft die Zurschaustellung Amsterdams, die Heimatstadt um Weiten. Während in Hamburg relativ großzügig Platz vorhanden ist und die Damen sich nur in der Auslage präsentieren, ohne das man den Ortus Delikti erahnen, geschweige denn erkennen kann, stehen die Mädchen in Amsterdam am Fenster eines Schlafzimmers. Eigentlich wirkt es eher wie eine gefließte Gefängnisszelle, oder Schlachterei mit einem Bettgestell auf dem eine flüssigkeitsunempfindliche Matraze angebracht ist, flankiert von einem Beistelltisch, auf dem sich schon die Pflegeprodukte für nach der Schlacht befinden: Küchenrolle und Deo.

Schräg. Aber, wie auch in Hamburg, ein unglaublicher Anziehungspunkt für Touristen und Nachtaktive. Nach dem obligatorischen Ausflug in den Rotlichtbezirk war das nächste Ziel der Club: Melkweg. Zwei Säle, in einem eine Balkan-Live-Band im andern Indie. Schön wars und vertraut. Der Vorwurf, den ich der elektronischen Musik gemacht habe, hat sich ein weiteres Mal bestätigt. Wir kamen mit unseren Rädern in der Dämmerung nach Hause. Ein Wunder. Nicht das wir in der Dämmerung nach Hause kamen, sondern das es keinerlei Unfälle mit den Rädern gab, abgesehen von einer losen Mutter am Rad von Robert. Ausser vielleicht mein Hintern, der wird sich die nächsten Tage noch an den Trip erinnern. Selbst ein Damensattel ist nicht bequem genug um meine Gesäßknochen für übermäßiger Belastung beim Radfahren zu schützen. Vielleicht sollte ich dort einfach gezielter Fett ansetzen. Nach Stuttgart und Amsterdam freue ich mich schon heute auf das nächste Wiedersehen.

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One Response to “Amsterdam auf dem Fahrrad”

  1. Wenn der Käse als Kreuz am Arsch klebt | Lonely People Talk A Lot

    [...] der Treffen, der versprengten Legionäre der EVS-Armee steigert sich bezüglich der Intensität. Nachdem wir uns erst vor sechs Wochen mit den Fahrrädern durch die Schluchten und Krachten der Amst… trafen wir uns diesesmal auf Einladung der Schweizergarde zum Rütlischwur in Zürich. Zum [...]

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