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Yuppies in Urbanity

Autopiesis oder Sammeln für Fortgeschrittene

November 12th, 2009 written by moritz

Niklas Luhmann beschrieb gesellschaftliche Systeme. Seine Definition von Systemen besteht darin, dass Systeme in Differenz zur Umwelt und in Autopoiesis operieren. Seine Systemtheorie beruft sich auf die Theorie der sich selbst herstellenden, autopoietischen Systeme. So sieht er zum Beispiel eine Uhr nicht als System an, da diese zwar aus Teilen besteht, die systematisch ineinander arbeiten, aber die Uhr ist von jemandem ausserhalb der Uhr hergestellt. Ihr Regelwerk kommt von außerhalb der Uhr selbst. Ein weiteres Beispiel hierfür wären Computer und Software.

Heute wurde ich erneut eines Systems, das definitiv als autopoietisch anzusehen ist. Kundenbindungsmaßnahmen in Form von Bonusprogrammen.Beispiel hierfür ist die Payback Card. Ab einem bestimmten Einkaufswert werden dem Kunden Bonuspunkte gutgeschrieben, die er dann ab einer bestimmten Punktezahl gegen eine Prämie eintauschen kann. Ein weiteres Beispiel stellt die Bahncard dar. Doch kann man dort auch nicht mehr als Punkte sammeln und am Ende gegen Prämien eintauschen.

Folgendes habe ich gelernt: Das höchste der Gefühle ist das Miles&More Programm. Ab einer gewissen Anzahl von Flugmeilen, die man für alles mögliche gutgeschrieben bekommt (Flüge, Hotelbuchungen, Zeitungsabonments, etc.), erhält man einen besonderen Status. Vielflieger. Frequent Traveller. Dieser Status hebt einen auf eine neue Ebene. Man kann immer schneller einchecken, da man als Businesskunde gilt. Ab einem gewissen Status erhält man inklusive einem Gast, dem man Stolz seine Wichtigkeit beweisen kann, Zutritt zu Flughafenloungen überall auf dem Globus um sich die Wartezeit zu vertreiben. Mit freiem Essen, Trinken und Internet.

Wenn das kein Leben ist. Wer diesen Status erreicht hat, muss ihn aber auch dementsprechend pflegen. Bei einem Transitflug sollte man ab einer Wartezeit von 20 Minuten auf alle Fälle mal kurz in diese Lounge gehen. Denn wenn man schon was umsonst bekommt….

Wer hat sich dieses Konzept ausgedacht? Irgendwelche Genies in Diensten von Konzernen.

Wer nutzt diese Konzepte? Genies in Diensten von Konzernen. Denn, die nötigen Meilen werden die wenigsten Personen für ihr privates Reiseverhalten erwerben. Dienstreisen machen den Großteil der Meilen aus. Und plötzlich wertet die Dienstreise die Person auf. Das Ziel ist nicht mehr nur die eigentliche Aufgabe für die man bezahlt wird. Das Ziel ist plötzlich auch Erhalt und Ausbau des Status.

Da die Unternehmen aber keine Wohltäter sind, werden diese Bonusleistungen für Organisation und Exekution des Bonussystems auf alle Kunden umgelegt und schon ist jeder Teil dieses Systems und wir können uns dagegen nicht mehr wehren. Dabei möchte ich doch nur reisen, wenn ich reisen muss und kaufen, wenn ich kaufen muss. Nur dadurch allein kann dieses System anscheinend nicht funktionieren.

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One Response to “Autopiesis oder Sammeln für Fortgeschrittene”

  1. Up in the air | Lonely People Talk A Lot

    [...] hab ihn mir angesehen. Nachdem ich mich vor ein paar Wochen noch über die Meilensammlerei geäußert habe hatte mich der Trailer schon fast dazu genötigt den Film anzusehen. Die Sammlerei [...]

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