Das Der Kampnagel hat für mich mehrere Vorteile: Ein breitgefächertes kulturelles Angebot, das Alabama Programmkino und liegt um die Ecke.
Nachdem bald die ersten zwölf Monate in der neuen Wohnung voll sind, habe ich immerhin schon zwei “Zahl-Neun-die-Zehn-für-Umme” Tickets gefüllt. (Die Quote ist nicht berauschend, aber es gibt ja auch noch andere Kinos, ich für meinen Teil bin damit zufrieden) Zu Kino kann ich mich allerdings auch leichter durchringen Sonntag Abend vor die Alternative gestellt: “Einschlafen-beim-Tatort” oder aber “Wach-im-Unbekannten”.
Da fällt die Wahl nicht schwer.
Kino – nach Hause – Katzenwäsche – ins Bett legen – Buch aufschlagen – einschlafen
ist deutlich besser als
Fernseher – einschlafen – aufwachen – aufrichten – pinkeln – ins Bett legen – nicht-einschlafen – Buch aufschlagen – aufstehen – Fernseher – einschlafen [Endlosschleife bis zum nächsten Morgen].
Leider hat mir in der Vergangenheit die Muße gefehlt, mir einen der anderen Programmpunkte anzusehen. Jimi Tenor hat Hamburg erneut beehrt. Jimi Tenor ist für mich derzeit einer der mutigsten und aufregenden Künstlern die ich kenne. Ursprünglich als Modedesigner in Finnland tätig, berührten wir uns das erste Mal auf der Tanzfläche einer provinziellen Kleinraumdisko, als Tecno den bayrischen Boden erbeben ließen. Die erste Begegnung erfolgte ebenso in Bayern. Pfingstopenair 2004. In Erwartung eines Tecnoartist wirbelte Jimi wie Joseph im Technicolour Dreamcoat über die Bühne und versprühte Jazz und Funk mit Unterstützung seiner fantastischen Band. Nach vier Jahren entfernter Beobachtung erfolgte ein weiteres Livekonzert. Das von ihm inszenierte Musical nahm ich hin. Den Mantel hat er immer noch an. Meine Erwartunge wurden bei weitem übertroffen: Darstellung von Migrationshintergründen ist erschreckend ehrlich, die Gruppe Hajusom als Medium und Quelle unglaublich authentisch und Jimi mit KABU KABU als Bindeglied und Zugpferd versteht es dieses Konstrukt geschickt in Szene zu setzen. Der perfekt choreografierte Mainstreamkulturterrorismuss à la West Side Story oder Andrew Lloyd Webber wird ad absurdum geführt. Die Darsteller, die ursprünglich dazu angeheuert wurden, dem Publikum Emotion in mundgerechten Häppchen zu servieren begehrern auf, gegen Produzent, fehlende Freiheit, fehlende Authenzität und Entfaltungsmöglichkeiten und nehmen einen mit für eine Reise durch die Dimensionen. Die Umsetzung unterstrich die Sinnhaftigkeit der kulturellen Zusammenarbeit unterschiedlichster Lebensgeschichten. Ich fand es gut, anregend und hoffe mehr Veranstaltungen dieser Art zu sehen.
Auch wenn ich nicht im Alabama war attestiere ich:
Großes Kino.
June 3rd, 2009 - 23:17
[...] oft gelobt für das Programm, heute ein weiteres Mal Bestätigung erhalten. Coco Rosie, zwei Schwestern [...]