Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Bar 2.0

September 18th, 2009 written by moritz

Der Titel weckt die Hoffnung auf einen Bericht über mein Nachtleben. Das moderne Nachtleben. Aber nein, darauf will ich gar nicht hinaus. Ich möchte ein Bild an die Wand werfen, welches sich gestern in einem Chat über Skype entwickelt hat.

Wie ist es entstanden?

Mein Gegenüber ließ sich über die Unverbindlichkeit des Netz aus. Das wir uns nie unterhalten würden, wir den Telefonhörer nicht in die Hand nehmen würden und den anderen anrufen. Richtig, aber dieser Direct Messenger ist kein Telefon. Er ersetzt auch das Telefon nicht. Er ist mehr.

Die Technologie ermöglicht uns einen ungezwungenen Austausch, der an der Oberflächlichkeit entlang gleiten oder auch tiefer gehen kann. Der Inhalt ist definiert durch die Teilnehmer der Konversation. Der passende Vergleich und somit die Rückführung zur Überschrift ist die Bar 2.0. Skype oder Messenger im allgemeinen stellen für mich meine Haus- oder Zimmerbar da. (Nicht so ein 70er Jahre Ding mit Jägermeisterleuchte über dem DunkelholzpalisadenmitPVCabschluss und Diskokugel im Keller.)

Meine Bar 2.0

Mit einem vertrauten “Plop” schließt sich die Tür und ich stehe in meiner Bar.
Langsam erscheinen aus dem Nebel die Gesichter der Anwesenden.

Wer ist da?
Ich kenne alle.

Mit wem will ich sprechen?
Hm, erstmal mit niemand.

Einfach nur ein Bier trinken und nebenbei ein bisschen die Jukebox bedienen oder mich der Unterhaltung des Fernsehers hingeben. Vielleicht auch ein bisschen Zeitung lesen.

Die Geräusche an den Nebentischen höre ich nicht. Ich bin anwesend aber niemand interessierts.

Ach sieh an, da kommt jemand und spricht mich an.
Ich gehe auf die Person ein.
Es entwickelt sich nichts.
Wir trennen uns wieder und hängen unseren Gedanken nach.

Wer kommt da? Werde ich gleich begrüßen.
Die Freude ist beiderseits.
Wir vertiefen uns in ein Gespräch, ignorieren den Rest.
Lassen Jukebox, Zeitung und Fernsehen links liegen.
Es geht nur noch um den Inhalt unserer Konversation.
Der Fluß zieht sich bis zur Verabschiedung.

Dann plötzlich Schluss.
Ich schalte die Bar aus.

Stehe auf der Straße.
Kalter Wind bläst mir ins Gesicht.
Der Abend war gut.

Die Gedanken hängen dem Gespräch nach.
Schön sich mal wieder getroffen zu haben.
Es hat sich gelohnt den Abend nicht allein zu verbringen.

Weniger einsam schlummere ich dahin.

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