Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Die deutsche Bahn, Verarschung am Kunden

July 23rd, 2009 written by moritz

Mein Hauptberuf beschäftigt sich mit dem Vertrieb von Software. Nebenbei bin ich allerdings Möbelpacker, Postbote, Schreiner, Autor, Redakteur, DJ und nicht zuletzt Fahrkartenverkäufer.

Wenn ich in meiner Kindheit und Jugend alleine oder mitmeiner Familie irgendwohin reisen wollte, ging ich an den Bahnschalter des nächsten Bahnhofs und kaufte beim netten Angestellten hinter dem Schalter eine Fahrkarte. Neben der Fahrkarte wurde ich in der Regel auch noch über die Umstände der Reise aufgeklärt. Abfahrt, Ankunft, Anzahl und Orte des Umstiegs, Dauer des Aufenhalts und die besten Möglichkeiten zur Rückfahrt. So war es damals.

Heute bin ich der Angestellte am Schalter.

Im Netz suche die besten Verbindungen. Die Suche hört sich zwar wie Arbeit an, ist es aber nicht. Im Endeffekt vertrau ich auf die Logik der Maschine. In diesem blinden Gottvertrauen habe ich mit Sicherheit die eine oder andere ungünstige Verbindung gewählt. Ungünstige Verbindungen sind all jene, die sowieso immer Verspätung haben, oder zwecks Überfüllung aus allen Nähten zu platzen drohen. Der eine oder die andere möchte anmerken: „Ja, wieso reservierst du dann nicht?“ Würd ich ja gerne machen, aber teils einfach nicht möglich. Obwohl man dafür zahlt ist eine Reservierung ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr durchführbar. Was bedeutet das? Dem freiberuflichen Hobby-Schalterbeamten geht die Düse.

Bekomme ich dennoch einen Sitzplatz?
Ist der Zug überfüllt?
Wie lange muss ich im Falle des Falles stehen?
Was ist, wenn zusätzlich Verspätungen hinzukommen?

Diese Fragen kreisen ununterbrochen in meinem Kopf und machen bereits die Warterei am Bahngleis zur Folter. Wieso liebe Bahn gönnt ihr uns nicht mehr Freiraum? Mehr Platz? Eine bequemere Reise? Wenn ihr eh nur eine bestimmte Anzahl von Sitzplätzen habt, dann setzt auf verpflichtende Reservierungen und rechnet sie in den Preis ein. Oder ihr pfeift ganz drauf. Lasst Reservierungen einfach nicht mehr zu. Wir Bahnfahrende sind zivilisierte Menschen. Wie verstehen es, für alte, kranke, behinderte oder schwangere Menschen aufzustehen um ihnen einen Platz anzubieten. Aber hört auf Reservierunen anzubieten, die dann nicht mehr möglich sind und wenn man dann im Zug sitzt freut man sich, die Buchungsgebühr gespart zu haben. Ich würde mir lieber den Nervenkitzel sparen. Oder die Demütigung von einem hochnäsigen Platzreservierer unfreundlich darauf hingewiesen zu werden, dass dies sein Platz sei und ich mich gefälligst gepflegt verpissen solle, was mir den eigentlich einfiele, mich hier ab zu setzten, obwohl ich doch sehe, der Platz sei reserviert. In diesen Momente trauere ich meinem fehlenden Aggressionspotential nach, ziehe den Hut, verbeuge mich und nehm den Platz auf dem Gang.

Zugfahren, immer ein Erlebnis. Nur leider nicht immer ein gutes.

  • Share/Bookmark

One Response to “Die deutsche Bahn, Verarschung am Kunden”

  1. claudius

    Lustig wird’s ja erst, wenn man als technikgläubiger Mensch von der DB Technik verlassen wird…

    Hab kürzlich online die Verbindungen ausgecheckt, am Automat ein WE Ticket gekauft und dann den (sonst immer verspäteten) Zug verpasst. Laut meiner Erinnerung fuhr ne Stunde später der nächste, laut Fahrkartenautomat gab es für diesen Tag aber keine Verbindungen mehr.

    Dank leerem Handy-Akku stand ich knapp ne Stunde am “Service Point” an um das zu verifizieren, bevor ich dann einfach auf’s Gleis ging und den, natürlich verspäteten, Zug nahm…

    Is echt hart wie schlecht der Service mittlerweile für Non-Digital-Natives geworden ist…

    Ich hoffe ich führe deinen Blog nicht durch meinen Kommentar ad absurdum ;-)

Leave a Reply

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Lonely People Talk A Lot. All rights reserved.