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Education Camp 2010 Hamburg #ec10hh

February 7th, 2010 written by moritz

Meine Rückkehr an die Hochschule, zumindest für zwei Tage, am 4. und 5. Februar 2010. Die Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaften, beziehungsweise ein Dutzend engagierter Studenten waren Gastgeber des EduCamps 2010. Aufmerksam auf die Veranstaltung wurde ich auf dem Barcamp Hamburg im letzten Herbst. Auch wenn mein persönlicher Bezug zum Thema Bildung nach Abschluss des Studiums etwas eingeschlafen ist, wollte ich die Möglichkeit nicht missen, mir neue Tendenzen, Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse näher bringen zu lassen. Meine Erwartungen waren gering und ich kann und möchte die Veranstaltung nicht in den Olymp meiner besuchten Barcamps heben, aber es war die Zeit wert und ich bin froh, teilgenommen zu haben.

Der Großteil der Besucher kam aus dem Bildungsbereich. Von Schulen, Hochschulen oder der Erwachsenenbildung. Als die Themen des ersten Tages vorgestellt wurden, überraschte mich etwas die häufige Nennung von Second Life, welches ich für meinen Teil schon lange ad acta gelegt habe und dieser “Welt” die letzten zwei Jahre keinen Besuch mehr abgestattet habe. Auch auf dem EduCamp habe ich diese Themen außen vor gelassen, ich werde mit dem Thema einfach nicht warm. Die angebotenen Sessions waren vielfältig, irgendwo zwischen Technik, Pädagogik und Kultur angesiedelt. Gespickt mit philosophischen Ansätzen. Der erste Vortrag der meine Interesse geweckt hatte war Cloud Computing.

Cloud Computing

Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste was Cloud Computing ist und wie es funktioniert, jedoch stellt die Vermittlung dieses Wissens mich von Zeit zu Zeit vor gewisse Probleme. Der Referent, Thomas Metschke kündigte auf der Sessionvorstellung an, Cloud Computing so erklären zu können, dass es alle verstehen könnten. “Cloud Computing ist wie unsere Wasserversorgung und diese Analogien möchte ich zeigen.”, war der Satz, der mich die Veranstaltung wählen ließ. Die Umsetzung? Zu kompliziert, zu wenig Analogien zum Wasser, zu bekannten Begrifflichkeiten. Zu viel SaaS, PaaS und Iaas. Ich kann mir nicht vorstellen, jemand der dieses Thema nicht wirklich kennt steigt mit diesen Begriffen besser durch. Schade.

Operationales Menschenbild

Lisarosa bot an, eine Diskussionsrunde mit Jean Pol Martin moderieren zu wollen, um dessen “operationales Menschenbild” zu diskutieren. Ich habe es mir angetan und muss sagen, ich bin etwas enttäuscht. Alt 68er Weisheiten gepaart mit postmodernen Ansichten zum Thema Selbstverwirklichung, hochgezogen an der Maslowschen Bedürfnispyramide. Und alle so: “Yeah!” Fassen die Thematik auf, zur Selbstdarstellung und Rechtfertigung des individuellen Selbstverwirklichungsplans. Und eins zwei drei im Sauseschritt rennen wir weiter wie die Lemminge und machen uns das Leben zu Hölle, indem wir versuchen unseren Selbstverwirklichungsplan in die Tat umzusetzen. Blicken auf die hinab, die unter uns stehen und lassen sie es spüren und versuchen denen oben eines auszuwischen, sie zu fordern, sich bemerkbar zu machen und langfristig, sie zu stürzen. Ich höre hier auf, da diese Ausführung zu weit vom eigentlichen Thema wegführt, aber etwas schockiert hat es mich schon auf einer Veranstaltung zum Thema Bildung mit solch egozentrischen Meinungen konfrontiert zu werden.

Nach einer kurzen Mittagspause in der Mensa ging es weiter zum nächsten Vortrag.

Cultural Hacking

Torsten Meyer präsentierte unterschiedliche Beispiele des Cultural Hackings, die man alle auf seinem Blog finden kann. Die Definition von Cultural Hacking wurde als Eindringen in den Code der Kultur definiert um diesen zu Verändern und somit einen neue Betrachtungsweise zu erzeugen. Es war unterhaltsam, auch wenn keine rechte Diskussion aufkommen mochte. Der Zusammenhang zu Bildungseinrichtungen und Möglichkeiten in diesem Umfeld wurde angedeeutet aber so richtig überzeugend war all das nicht, obwohl das Ziel klar sein könnte und sich im Fazit des Posts findet.

Campus 2.0 – Wie lassen sich Studierende durch WEB 2.0 Dienste unterstützen

Studenten Mitarbeiter der TU Braunschweig zeigten ihren Ansatz der Integration von Web2.0 Diensten im Studium. Das Ergebnis: Tugether.Überzeugt bin ich nicht, aber beurteilen kann ich es nicht wirklich, ich kann mich aus den Zeiten meines Studiums nur daran erinnern, das mich die Vielzahl der Plattformen, an denen ich schon aus Studiengründen angemeldet sein musste mich jede weitere verteufeln lassen. Der einzige Ansatz kann in der vollen Integration aller Dienste in eine Plattform liegen. Ob hier eine Eigenentwicklung der Hochschule der richtige Ansatz ist, möchte ich bezweifeln.

Mobile Campus

War ebenfalls ein Konzept von Studenten Mitarbeitern der TU Braunschweig. Gut, aber in solch früher Phase, dass ich die Umsetzung noch nicht ansatzweise erkennen kann. Die Diskussion am Ende verflachte dann auch in der Diskussion über unterschiedliche Mobiltelefonplattformen.

Abschließend für Freitag besuchte ich noch die Vorstellung des Lemur Touchpads von Arne BenseNeue Musikinterfaces. Die These: “Musikinstrumente sind beeinflusst von der Leittechnologie der jeweiligen Zeit.” Es klang nach Elektronik. Es folgte eine kurze Einführung in Abelton live und dann ein bisschen zur Schaustellen der Möglichkeiten sich individuelle Interfaces zur besseren Kontrolle von Musiksoftware auf Laptops zu basteln und zu nutzen.

Der Samstag begann mit einer Podiumsdiskussion zum Thema: “Das Internet – ein Bildungsraum?” am Anfang plätscherte die Diskussion eher lahm dahin, bis dann irgendwann zwangsläufig das Wort “Revolution” fiel und sich die Diskussion weg von den Möglichkeiten und hin zu den Tatsachen, der Beschränkung des Netzes als Medium. Interessant war die Frage nach Zertifizierung. Kann ich das Wissen, welches ich mir in irgendeiner Form privat aneigne angeben, ohne von einer staatlichen oder zertifizierten Zertifizierungsstelle dafür zertifiziert worden zu sein? Anschließend Mittag in der Mensa und am Nachmittag noch eine Session zu Semantic Web, die meine Ansprüche nicht erreichte aber nette Visualisierungstools für UN-Daten zeigte. Des weiteren besuchte ich die Session zu ePortfolio, in der es um den Einsatz von digitalen Arbeitsmappen geht. Studien begleitend oder als Prüfungsform fürs Studium. Noch eine Plattform, noch ein Login, noch eine Möglichkeit der Mehrfachverwertung um Datenkopien zu erzeugen. Die letzte Session war Open Education. Dort fand ich zwar auch keine neuen Ansichten, oder Einblicke, aber zumindest ein paar Beispiele. Die kann ich leider nicht bewerten, aber ich möchte sie zumindest aufführen und nach und nach besuchen.

Fazit:

Mich habend die Inhalte der Veranstaltung nicht wirklich überzeugt. Anstatt die Möglichkeit zu nutzen und die Bildung um zu krempeln hingehend zu weniger wissen zu müssen, als einen stärkeren Zugriff auf Quellen zu haben, wird weiterhin krampfhaft versucht die traditionelle Lehr- und Lerntheorie am Leben zu halten und das Netz und die digitalen Medien auf das Geringste zu reduzieren. Als Ersatz für Blätter, für Tonbänder und Videos. Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft weiterhin so viel Lernen müssen wie wir es bisher mussten, wir können von überall auf alles zugreifen um Ansichten zu verifizieren. Das Einzige was gelernt werden muss ist der Umgang und die Disziplin im Umgang mit diesen Medien ansonsten bleibt es beim bekannten Problem: “A Fool with a Tool, remains a Fool!.”

Mein Dank für gilt den Veranstaltern, die einen ruhigen und reibungsfreien Ablauf organisiert haben.

13 Responses to “Education Camp 2010 Hamburg #ec10hh”

  1. jean-pol martin

    Danke. Für mich natürlich sehr lehrreich. Da muss ich mir wirklich was überlegen, was die Vermittlung betrifft.

  2. Lisa Rosa

    na, dann ist mein moderationskonzept ja aufgegangen. beruhigt!

  3. jean-pol martin

    @lisa
    ach so. du wolltest pädagogisch auf mich einwirken?

  4. Lisa Rosa

    @jean-pol nein. ich will überhaupt nicht auf jemanden einwirken. schon gar nicht auf dich. ich habe mit meiner moderation versucht, den raum zu schaffen, dass sich die teilnehmer deiner session auf sich selbst und ihre eigenen gedanken besinnen konnten, während sie sich mit deinem modell auseinandersetzten.

  5. jean-pol martin

    aber ich fand das doch ganz prima! ich erschrecke nur, wenn ich sehe, wie das alles auf eine teilnehmerin gewirkt hat. meine ausführungen muss man doch alle nicht 1 zu 1 nehmen, oder?

  6. jean-pol martin

    beim zweiten lesen finde ich das doch wieder nicht so schlimm. ok. alles wird gut!

  7. Thomas Metschke

    Hallo Moritz,

    danke für deine Einschätzung zum Vortrag. Es hätte mich gefreut dein Feedback vor Ort zu bekommen. Während des Vortags bin ich auf alle Fragen eingegangen, hatte aber zugegebener Maßen tatsächlich das Gefühl einige Leute verloren zu haben. Viele haben zum Beispiel auch noch nie einen Server gebraucht, bzw. hatten auch nur eine Idee davon was ein Server im Internet für eine Aufgabe hat.

    Ich denke aber die Grundlegende Idee das IT in der Zukunft egal ob Software oder Hardware nach bei Bedarf und abhängig vom Verbrauch genutzt werden kann, ist angekommen. Wobei die von mir angeführte Analogie zum Strom da wohl tatsächlich besser als die mit Wasser funktioniert.

    Ich glaube auch nicht, dass alle Teilnehmer schon verstehen/ahnen was dies für sie privat oder beruflich bedeutet. Das macht aber nichts. Geht den meisten “ITlern” ja auch noch nicht anders.

    Nagut soweit sogut. Würde mich über Anregungen freuen.
    Grüße,
    Thomas

    p.s. in Chrome&Firefox sind deine Formularfelder und Buttons winzig

  8. moritz

    @jean-pol die Ausführungen über meine Ablehnung der Selbstverwirklichung ist nicht an dich persönlich gerichtet. Ich finde es immer nur erschrecken, wie schnell in solchen Runden jeder anfängt restriktiv seine eigene Weltanschauung zu verteidigen, die am Ende nicht dazu beiträgt eine funktionierende soziale Gesellschaft zu etablieren.

    Das du mir hierfür eine Geschlechtsumwandlung spendierst, danke. Aber ich möchte gerne Teilnehmer und Moritz bleiben.

  9. moritz

    @ Thomas:

    Hätte dir die Kritik gerne auch persönlich gegeben, wollte aber gleich anschließend auf ne Anschlusssession und hatte dich danach auch nicht mehr gesehen.

    Der Punkt an dem du in meinen Augen Leute verloren hast war das Thema IT.
    Ist grundsätzlich richtig, aber IT ist in meinen Augen weiterhin eher ein Hardwarethema. Ich brauche im Endeffekt gar keine IT. Ich will Content oder Services im Netz anbieten über die Hardware möchte ich mir keine Gedanken machen. Daher empfehle ich bei der nächsten Darstellung von Cloud Computing IT weg zu lassen, sondern eher mit Zielen zu umschreiben.
    Analogie zum Strom:
    Ich will nach dem Duschen meine Haare trocknen. Dazu benutze ich einen Fön der seine Energie irgendwoher zieht. Mein Ziel ist es trockene Haare zu bekommen. Alles was dahinter liegt ist mir im Endeffekt egal, Hauptsache meine Haare sind dann trocken. Müsste ich die Energie für den Fön selbst erzeugen würde ich vermutlich mit feuchtem Haar aus dem Haus gehen und vermutlich krank werden, zumindest aber mein eigentliches Ziel verfehlen.
    Ähnlich ist es auch mit dem Cloud Computing. Ich habe ein Ziel und muss mir dafür nicht zwingend die vollständigen technischen Anlagen zulegen um das Problem zu lösen. Ich kann Dienste im Netz nutzen und mit diesen mein Ziel erreichen. Einfacher, schneller und günstiger als mit den Alternativen.

    Ich hoffe diese Darstellung ist jetzt nicht zu trivial, aber ich glaube so kann man zumindest das Ziel des Cloud Computing wirklich analog zum Strom (ich dachte bei der Einführung sprachst du von Wasser) sehen.

    Bezüglich meines Layouts: Da hast du recht. Bin auch nicht ganz happy damit. Aber jedesmal wenn ich mich an den Blog setze, schreibe ich lieber als das ich layoute. Irgendwann werd ich es machen.

  10. Thomas Metschke

    hehe :)

    ja stimmt so wär’s vielleicht auch gegangen – der Ehrgeiz “das dahinter” auch zu erklären war in Anbetracht der Zeit vielleicht einfach zu viel

    Für die meisten Leute ist das was du beschrieben hast letztlich ein SaaS Produkt eines Anbieters egal ob kostenlos wie Google Docs oder bezahlte Services wie salesforce und co. Die wird es immer mehr geben und ich bin gespannt was uns da so alles erwartet und was es für einen Einfluss hat auf das “kostenlose, freie” Netz.

    Im Optimum kann ich eigene Services irgendwann wirklich zusammenklicken/beschreiben/… um selbst echte eigene Produkte ins Netz zu stellen, statt “nur” zu benutzen. Versuche in Richtung pipes oder popfly sind nicht nur stark eingeschränkt sondern auch noch nicht besonders überzeugend.

    Derzeit ist meiner Meinung nach aber mit PaaS und IaaS ein riesen Sprung in diese Richtung geschafft worden. Insbesondere durch die um die großen Anbieter entstehende Anbieter und Produktlandschaft.

    Das dies nicht der letzte Schritt ist möchte ich natürlich auch hoffen :) Es muss immer weiter gehn!

    Grüße,
    Thomas

  11. Oliver Tacke

    Hallo, Moritz!

    Kleine Korrektur: Bei den Braunschweiger Präsentatoren handelte es sich nicht um Studenten, sondern Mitarbeiter der Uni.
    Wieso man sich für eine Eigenentwicklung (in der Tat ein Portal, das alle anderen Seiten unter einem Dach vereint – so das Ziel) entschieden hat, wurde für mein Empfinden hinreichend dargelegt und diskutiert.

    Viele Grüße
    Oliver

  12. moritz

    Hallo Oliver,

    sorry für diesen Fehler, habe es korrigiert. War nicht persönlich gemeint.
    Bezüglich der Entscheidung hin zur Eigenentwicklung mag dies hinreichend dargelegt und diskutiert worden sein, aber du musst mir wohl zugestehen, dass ich aus diesem Grund dem Konsens noch lange nicht zustimmen muss.

    Grüße

    Moritz

  13. Oliver Tacke

    Hallo, Moritz!

    Die Verwechselung von Studenten/Mitarbeitern würde dir sicher keiner krumm nehmen. Sag halt, sie sahen noch so jung aus ;-)
    Natürlich kann man wegen der Eigenentwicklung anderer Ansicht sein, das steht außer Frage. Kam halt nur als Pauschalaussage ohne Begründung rüber, und man könnte meinen, das sei gar nicht thematisiert worden.

    Viele Grüße
    Oliver

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