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Elektrogrill

August 11th, 2010 written by moritz

Elektro ist in. Vielleicht bin ich zu spät für diese Aussage. Elektro wurde zu Atzenmusik. Atzenmusik ist nervtötend und ätzend. Elektrogrills auch.

Der Sommer dieses Jahr ließ die eine oder andere Einladung zum Grillen herausspringen. Die meisten glücklicherweise mit echtem Grill. Echter Grill bedeutet für mich Kohle. Ob diese jetzt Holzkohle oder andere Kohle ist, ist von eher untergeordneter Bedeutung. Falscher Grill ist Gas oder Elektro. Glücklicherweise ist der Gasgrill eher auf Großveranstaltungen oder in der Gastronomie anzutreffen. Der Elektrogrill hingegen auf jedem noch so kleinen Balkon. Manchmal sogar in der Wohnung.

Was ist das besondere am Grillen?
Das Grillen entspricht der Urform der Ernährung, frisch geschlachtetes Fleisch (oder Gemüse) über dem faszinierendsten Element, dessen Bezwingung einiges an evolutionärer Bildung und Entwicklung erforderte und dennoch schon seit Jahrtausenden an unserer Seite ist um uns Nahrung bekömmlicher zu machen. Sicher, die Elektrizität folgte evolutionär noch später und benötigt noch mehr Input und Wissen. Aber am Ende kommt sie zu uns in Form der Steckdose und liefert uns die Energie für all unsere evolutionären, technischen Errungenschaften. Wie eben auch den Elektrogrill. Der Elektrogrill nimmt dem Grillen die Würde. Er ist eine andere Form der Kochplatte mit der einzigen Unterscheidung, dass er dem Grillgut ähnliche Grillroststreifen zufügt, wie dies seine nicht-elektrischen Vorgänger tun. So erfüllen sie zumindest diese Erwartung des Grillgurtverzehrers. Tipp am Rande. Es gibt mittlerweile auch Pfannen, die können dieses Muster auch auf der Herdplatte erzeugen.
Die Würde des Grillen liegt in der Zeremonie der Vorbereitung, der punktgenauen Zugabe der einzelnen Zutaten zu einem perfekten Grillerlebnis. Dies beginnt am Vorabend mit dem Marinieren des Fleisches und eventuell der Vorbereitung erster Salate, die lagerfähig sind, bzw. zur notwendingen Reifung beitragen. Am nächsten Tag erfolgt ca. eine Stunde bis 90 Minuten vor dem geplanten Verzehrzeitpunkt die Befeuerung des Grills. Papier oder anderer Zunder wird entflammt um mit der entstehenden Hitze die Kohle zum Brennen anzuregen. Zu Beginn ist hierzu das gleichmäßige zuführen von Frischluft von Nöten, da sich sonst die Hitze nicht gleichmäßig im Kohleberg verbreitet. Wenn alle Kohle gleichmäßig brennt, können die frischen Salate zubereitet werden. Nach deren Zubereitung Kontrolle des Grills. Auflage des Rostes. Kurze Erhitzungsphase abwarten, dann Grillgut auflegen. Kurz von beiden Seiten knackig anbraten. Nach kurzer Zeit sind die Grillgüter fertig. Aussen knackig, innen saftig. Klassisch delikat.

Der Elektrogrill
Einstecken, Fertiggrillgut aus der Supermarktkette um die Ecke aufreißen und auf den kalten Rost werfen. Fertigsalatschüsseln köpfen. Warten. Nach ca. einer halben Stunde ist das Grillgut gleichmäßig trocken und kann mit einer leckeren Mischung an Fertigsaucen die Gurgel hinunter gewürgt werden.

Der Elektrogrill ist der Inbegriff der Unverbindlichkeit. Grillen als praktische, spontane Idee. Eine tolle Idee. Elektrogrill, ich verabscheue dich.

2 Responses to “Elektrogrill”

  1. moritz

    Eines hab ich vergessen:
    Das Solarium ist auch ein Elektrogrill.

  2. Tara

    Wir haben verschiedene Grills – aber bei schlechtem Wetter kommt immer so ein billiger Elektrogrill mit Wasserschale d’runter zum Einsatz.
    Das Fett tropft ins Wasserbad, keine Rauchentwicklung sichtbar, der “normale” Bratgeruch bleibt dadurch auf der Terasse – gegessen wird dann im Haus.
    Wobei ich das Grillen auf dem Schwenker im Garten bevorzuge – da kann die Feuerstelle dann auch zum Lagerfeuer machen genutzt werden. Der Gasgrill (mit Spieß und Motor) kommt nur für Hähnchen etc. zum Einsatz.

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