Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Filmempfehlung: Shoppen

July 7th, 2009 written by moritz

Fernsehen ist meist doof. Dies an Beispielen fest zu machen, fällt mir schwer, da ich die Titel der sinnlosen Sendungen nicht benennen kann. Meist muss ich schon nach kurzem Einzappen, wieder wegzappen, da es einfach zu doof ist. Am Ende schalte ich die Kiste dann wieder aus und steck meine Nase lieber in ein Buch oder telefoniere jemanden zu Tode.

Kino hingegen finde ich großartig. Eine bestimmte Zeit x raus sein: X-Minuten abtauchen in andere Perspektiven, Erzählungen, Inhalte. Kein Internet greifbar, das Telefon ist aus oder leise, da es sich in Deutschland nicht gehört im Kino laut mit Mutti Kochrezepte auszutauschen. (Ganz im Gegensatz zu Indien, wobei es dort vermutlich keine Kochrezepte waren, denn sowas braucht für rote, scharfe Soßen eh keiner.)

Die Synthese aus beidem, Fernsehen und Kino ergibt sich dann, wenn man sich entweder eine Aufzeichnung eines Kino-Films ansieht, oder aber ein solcher Film ausgestrahlt wird. Ich rede hier nicht von den Blockbustern, die dann auf den Privatkanälen nur Wochen, nachdem sie nicht mehr im Kinoprogramm auftauchen Geleveraged werden, nein, die interessieren mich weniger und sind mir zu häufig von sinnlosen Werbepausen unterbrochen, in denen ich z.B. lernen kann, dass Frauen doch mehr Probleme haben als Männer. Thema: fehlende Intimflüssigkeiten und die sich daraus ergebenden Hinderlichkeiten im täglichen Leben. (Bin Chauvi. Sollte einer der Verantwortlichen dieser Werbung über den Post stolpern, wäre ich dankbar für einen Link. Die Werbung war hervorragend, aber das Produkt ist nicht hängen geblieben)

Manchmal kommen richtig gute Filme im Fernsehen. So wie gestern der schöne Film: Shoppen. Selten so herrliche Dialoge gehört, die so nah dran waren, am alltäglichen Wahnsinn, der uns, den Bewohnern der Großstädte Tag für Tag entgegenschlägt. Am Ende geht es immer nur um das eine: Bitte, bitte, bitte, ich will nicht alleine enden. Der krankhafte Versuch irgendjemanden zu finden, um nicht alleine durchs Leben zu gehen, oder am Ende des Tages über zu bleiben. Die Nachzucht sichern und die Nachwelt erhalten. Zumindest die einen. Treffend beschrieben als: “Wenn es dann zum Sommerschlussverkauf kommt, dann werden auch Sachen aus dem Lager geholt, die noch nie in der Auslage lagen.” Darauf kontert (natürlich) er: “Schau, ich bin eher so ein Luxusartikel. Man geht in den Laden und probiert ihn an, stellt dann aber fest, dass man ihn sich doch nicht leisten kann. Aber anprobieren kannste gern mal.” Und so sind die Anderen nur auf der Suche nach dem schnellen, unverbindlichen Kick. Der Befriedigung des ältesten und vermutlich über die Tierarten am weitest verbreitetsten Bedürfnisses: dem Trieb. So stellt es passenderweise auch einer im Dialog dar: “Wer heute Sex haben will, der muss Reden können, oder am besten gleich Literatur studiert haben.” Früher war das einfacher. Der Stärkste hatte die Sicherheit nicht allein zu bleiben und der Schwache musste hinterlistig sein um nicht die Keule auf den Schädel geknallt zu bekommen. Heute, da das Recht auf Selbstjustiz beschränkt ist, gewinnt der Listige. Erzähl tolle Geschichten. Mach tolle Sachen. Zumindest den zweiten Ansatz, den der Anderen erreichst du somit auf jeden Fall. Den ersten auch, wenn du die Listigkeit nur gut und lange genug durchhalst. So stimmen wir an, die Hymne an die Blender und gönnen ihnen den Sieg über die Natur. Die Verzweiflung bleibt. Das Fernsehen auch. Und manchmal kommen gute Filme.

Share

One Response to “Filmempfehlung: Shoppen”

  1. Andreas

    Und Möbel machen scheiße einsam ;)

Leave a Reply

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Lonely People Talk A Lot. All rights reserved.