Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Formspring.me

December 15th, 2009 written by moritz

Die nächste Sau durchs Dorf treiben oder “Wir werden erwachsen!”

Es ist mal wieder soweit. Es gibt ein neues Spielzeug im zauberhaften Web2.0. Social Media wird aufgebohrt. Ein Spielzeug das uns zurückholen kann in die Realität der Gesellschaft. Wir entwickeln uns weiter. Wir, das Web2.0, werden erwachsen. Es erinnert mich an mein eigenes Heranwachsen. Vom absoluten Beginn weiß ich nicht mehr wirklich viel, ähnlich die Computerwelt.

Die Geburt

Es gab sie schon lange, aber nicht für viele. Viele Menschen können sich gar nicht mehr daran erinnern, dass sie in einer Zeit lebten, da Rechner zwar existierten aber auf ihr Leben keinen Einfluss hatten. Es folgte das Aufwachsen im wohlbehüteten Elternhaus. Man lernte brabbeln, malen, basteln und trat mit dem engsten Umfeld in Kontakt. Das war der Zeitpunkt, als mehr und mehr Haushalte Rechner anschaften. Noch als Stand Alone Lösung. Man konnte damit leichter seine Steuererklärung anfertigen, sauber Briefe schreiben oder einfach nur Spielen. Es hatte keinen Einfluss auf das Umfeld.

Kindergarten

Der erste Tag im Kindergarten, von mir aus auch Kinderturnen. Plötzlich lauter kleine Menschen um mich herum, mit denen ich sprechen und kommuniziere. Ich quatsche was ich will, so viel ich will und mit wem ich will. Es gibt keine Klassenunterschiede, wir sind alle gleich, wir fangen an zu kooperieren. Mit Lego oder Bauklötzen, vielleicht auch mit Puppen. Teilen viel Uninteressantes mit und lachen über das gleiche Interessante. Analog hierzu kann man die Verfügbarkeit des Internets für Viele betrachten. Plötzlich bin ich verbunden. Ich habe nicht mehr mein eigenes, autarkes System, sondern stehe im Austausch mit Anderen. Ich quatsche hinein in die Welt. Es beginnt mit Forenpostings, Emails und der ersten eigenen Website. Es folgen die Communities. Ich entdecke die Gleichgesinnten und quatsche sie über mein Wissen und meine Ansichten voll. Ich erzähle viel Uninteressantes und die Interessanten Dinge werden von Anderen berichtet und geteilt. Aber wir lachen wieder gemeinsam darüber. Twitter verstärkt diese Tendenz noch. In rudimentären Satzlängen teile ich mein Wissen mit den anderen, ob sie wollen oder nicht. Es war eine schöne Zeit, doch irgendwann wurden die Einflüsse zu viel. Ich konnte nicht mehr allen Geschichten und Interessantem folgen, ich musste anfangen zu kategorisieren, bzw. clustern.

Die Einschulung

Zum Glück kam die Einschulung. Endlich wurde mir Daten systematisch verabreicht, in verarbeitbaren Mengen und ich musste etwas Neues lernen: Erst zu sprechen nachdem ich gefragt werde. Ok, ich habe mich nicht immer daran gehalten, aber die wichtigen Dinge, die ich zu sagen hatte kamen auf Nachfrage und wurden dann in Form von Noten belohnt. Formspring.me ist Schule. Hier postet man nicht einfach so, sondern antwortet auf Fragen. Schwer sich daran zu gewöhnen, denn was soll ich sagen, wenn mich keiner fragt? Auf der anderen Seite stellt die Frage, wenn sie denn kommt ein Interesse an mir und meinem Wissen dar. Kein wildes Posten von Nonsens, kein sinnloses schmieren an Klo- und Pinwände, keine vorgefertigten Applikationen, die meine Aufmerksamkeit verlangen. Klassischer Schuldialog. Ob das die Zukunft sein wird? Es fehlt noch die Belohungsfunktion, aber die kann noch kommen.

Was folgte nach der Schule? Wurden wir nicht nach der Ausbildung wieder ins kalte Wasser der Vorschulzeit geworfen? Sollten wir nicht wieder ungefragt unsere Meinung kund tun, zu dem stehen, was wir gelernt haben und was unsere Ansichten gebildet und fundamentiert hat? Oder antworten wir jetzt nur noch. Ausser halt im Netz, wo wir speakercornerhaft alles rausbrüllen um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Aber ist es diese Aufmerksamkeit, die wir tatsächlich wollen? Ich nicht. Ich möchte ernst genommen werden und Fragen zulassen. Dafür habe ich mir auf formspring.me schon eine Domain angelegt. Wer nun Fragen stellen will findet mich dort. Ich bin gespannt wohin es führt.

One Response to “Formspring.me”

  1. Irgendwann hab ich angefangen damit aufzuhören | Lonely People Talk A Lot

    [...] aber meine irgendwann mal aufgebaute Reputation als Early Adopter will ich nicht selbst zerstören. Formspring, Google Wave, Google Buzz, Foursquare, Banjo, Google Reader, Google Plus etc. Alles Dienste die ich [...]

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