Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Franz Ferdinand hatten Recht

May 4th, 2009 written by moritz

Nicht nur das Ansinnen des französischen Besuchs über das Osterwochenende hinterließ den Eindruck, dass Deutschland für seine impulsive Elektrogemeinde bekannt ist. Nicht LoveParade im Ruhrpott noch: Berlin Calling am Samstag überzeugten mich davon, dass in Deutschland mehr geraved als getanzt wird.

Nicht Fusion oder die aktuelle Liebe des Feuilletons zur Clubszene Berlin und eigentlich auch nur zu Berghain brachten die Einsicht. Nein, diese Einsicht hat sich schon weit früher eingeschlichen. Meine Erfahrung mit elektronischer Musik begann irgendwann Ende der 90iger. Die Medienberichte und Bilder von bunten, geradezu schillernden Gestalten die sich in Ekstase tanzen wurden zu jener Zeit als Wiedergänger der Hippiebewegung gefeiert. Eingängige, fast poppige Melodien ohne Text zu harten Beats. Leicht bekleidete Mädchen in Platteauschuhen, bunte Sonnenbrillen, Straßenarbeiterwesten, Gasmasken und Männer auf Buffaloschuhen. Das war Tecno in der bayrischen Provinz. Der letzte Ausbruch der Jugend. Anders gekleidet sein als die Eltern, diese Spießer. Und selbst dort tauchten sie auf, die Stars der Szene. Ob Marusha im Alcatraz in Landau an der Isar oder Sven Väth im Airport Würzburg. Eine neue Kultur war im Inbegriff zu entstehen und ich mitten drin. Mit langen, bunt gefärbten Haaren, weiten Hosen und ansonsten auch ziemlich geschmacksverwirrt. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Nach Hause kommen, wenn die Eltern schon wieder aufstehen. Disco 1998/99. Disco in der Provinz.

Irgendwann zu dieser Zeit stehe ich im Hauptbahnhof Regensburg in einem Zeitschriftenladen. Ich entdecke die Brüder Gallager auf dem Cover des Musikexpress und des Rolling Stones. Damals noch voneinander unabhängige Zeitschriften, heute vereint unter dem Dach der Springer Young Media. Es gibt noch Musik mit Gitarren? Es gibt noch coole Jungs die Singen und Gitarre spielen? Die Posen und Live auf der Bühne stehen? Jungs, die hübsche, fast natürlich wirkende Frauen ausführen? Verdammt? Was lasse ich mir entgehen?

Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 2009. 10 Jahre sind vergangen. Dem ländlichen Niederbayern den Rücken gekehrt. Nach 4 Jahren Zwischenstopp im jungen Würzburg, dass zwar irgendwie auch Provinz ist, sich dem Einfluss von 30.000 Studenten aber nicht erwehren kann und so eine breitere kulturelle Vielfalt bietet als die Station zuvor, endlich in der Großstadt: Hamburg. Ursprung der Hamburger Schule, die offiziell den Zenit schon überschritten hatte, bevor die bayrische Provinz davon überhaupt Wind bekommen hat und noch im Plüschwestchen zum Beat stampfte. Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass MTV nicht im frei zu empfangenden Fernsehen zu sehen war. Auf der anderen Seite wird dort in der Regel auch nichts anderes gezeigt als in den großen Radiostationen zu hören ist.

10 Jahre später und ich finde mich immer öfter in Clubs und Diskotheken wieder, in denen die Elektrokultur ausgelebt wird. Nicht das ich die Musik nicht hören könnte. Nein, ich muss ehrlich genug sein um zu sagen, dass nach zwischenzeitlicher Abneigung auf Grund von gefühlter Monotonie der Beats nun wieder eine gewisse Begeisterung aufkeimt. Es gibt ihn, den guten Elektrosound. Justice, Digitalism oder die unkaputtbaren Daft Punk. Blicke ich zurück auf die letzten vier Wochen Abends ausgehen in Hamburg fallen mir mehr Elektroveranstaltungen ein, bei denen ich zugegen war als alles Andere. Doch letzten Freitag hatte ich eine Eingebung. Auf dem nach Hause weg wunderte ich mich über den Grund für aufkeimende schlechte Laune: Mädels. Es mangelte an tanzenden Mädchen. Meist bin ich einer der ersten, die sich aus den sogenannten “Frühclubs” verabschieden. Es macht für mich keinen Sinn, gelangweilt, angetrunken oder beides in der Ecke zu sitzen und weitere Getränke in sich zu Kippen, im Wissen, dass zu Hause das Bett auch nicht wärmer wird, sollte ich ausharren. Und am aller schlimmsten war regelmäßig die Erkenntnis, Teil zu sein der Freaks. Der Unverbesserlichen. Diese Tatsache wäre eventuell noch zu ertragen, gäbe es die Möglichkeit zu flirten, zu posen oder einfach nur zu gucken. Aber nein. Die Frauenquote auf den skizzierten After Hours unterbietet sogar jene, die man in einem Studium der Ingenieurswissenschaften erwarten würde.

Diese Feststellung erinnerte mich unweigerlich an ein Zitat der schottischen Band Franz Ferdinand: Music that girls can dance to. Selbst wenn meine primäre Aufgabe in Clubs das mehr oder weniger Attraktiv-In-Der-Ecke-Stehen ist. Mehr Spaß macht dies bei einer ansprechend gefüllten Tanzfläche. Auch deshalb will ich versuchen in Zukunft wieder mehr einen positiven Gesamteindruck von Abendveranstaltungen mit zu nehmen und nicht nur Druck. Take me out.

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