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Yuppies in Urbanity

Empire St.Pauli. Die News und Datensüchtlinge werden schon den einen oder anderen Artikel zu dieser Doku gelesen haben, unter anderem hat SPON letzte Woche zwei Stunden vor (??) der Premiere schon eine Kritik über diesen Film im Kulturteil verlauten lassen. Ich musste mich zu dieser Zeit noch ein bisschen gedulden, bis ich einer der zahlreichen Gäste sein konnte, der sich die Premiere zusammen mit hunderten Anderen und vermutlich stärker Betroffenen im SKAM über dem ehemaligen Mandarin Casino (ich weiß, dieses Gebäude hat in seiner langen Geschichte zig Clubs und Lokale beherbergt, seit ich hier bin gabs aber nur Mandarin oder wie eben jetzt, gar nix). Nette Atmosphäre um einen Film anzusehen. Vollständig bestuhlt im mosaikartigen, “Hauptsache-Man-Kann-Sitzen-Stühlen” haben Johannes, Silvi und ich uns eine alte, leicht durchgesetzte VW-Typ-2-Rückbank erobert und den Film von relativ weit vorne und guter Nähe zu den Boxen, die den Sound leider viel zu leise und schlecht ins Publikum schmissen, verfolgt. Ein guter Film. Einfach eine Aneinanderreihung von Tatsachen. Aus der Perspektive des Beobachters. Betroffene aller Lager sind zu Wort gekommen und stellen ihre Sicht der Dinge dar. Von der Machart erinnert er mich stark an die Filme von Erwin Wagenhofer, nur diesmal fühlt man sich näher dran. Und das, obwohl das Thema Gentrifizierung im Moment, dank aktueller wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen nicht sonderlich stark im Vordergrund steht. Dennoch sehe ich einen direkten Zusammenhang zu eben jenen Auslösern, denen wir die aktuelle “Krise” zu verdanken haben.

Was ist Gentrifizierung?

Von Gentrifizierung spricht man, wenn einer (inner-)städtischer Bereich sozial aufgewertet werden soll.

Was bedeutet soziale Aufwertung?

Soziale Aufwertung bedeutet nichts anderes als: teurere Wohnungen, ergeben wohlhabendere Mieter, ergeben mehr Konsum, ergeben attraktivere Geschäftsflächen, ergeben höhere Gewerbemieten, ergeben mehr Steuern für die Stadt.

Was ist daran sozial?

Nix. Alteingesessene Bewohner werden nach und nach aus ihren angestammten Wohnvierteln vertrieben und umgesiedelt. Die Verwaltungsbehörden lassen Wohnraum verkommen, bis dort niemand mehr wohnen kann, oder wohnen mag und wenn dann alle Bewohner draußen sind, wird die Immobilie erst verkauft, dann teuer renoviert (oder gleich abgerissen und neu aufgebaut) und dann zu höheren Preisen, die sich die vorherigen Mieter nicht leisten können, verkauft oder neu vermietet. Ein weiteres beliebtes Mittel ist die Ansiedlung von Büroflächen in diesen Regionen. Büros ziehen Firmen an. Firmen ziehen Arbeiter/Angestellte an. Angestellte brauchen um die Arbeit herum eine gewisse Infrastruktur wo sie wiederum konsumieren können und schon schließt sich der Kreis erneut. Geld, Geld, Geld, it’s all about the money.

Funktioniert Gentrifizierung immer?

Mir fehlen ein bisschen die Grundlagen um diese Frage zu beantworten. In meinen Augen kann sie nicht immer funktionieren, aber bisher hat es funktioniert. Zu Beginn ist ein relativ günstiger Grund vorhanden. Der Eigentümer des Grundes (oft auch die Stadt) verkauft. Ein Investor kauft den Grund und lässt einen Bebauungsplan erstellen. Der Bebauungsplan wird nun von einem Bauträger umgesetzt. Nach der Umsetzung wird der aufgewertete Grund dann entweder zu einem höheren Preis verkauft, oder aber zu einem höheren Preis vermietet. Dabei gewinnt der Erstbesitzer durch den Verkauf seines billigen Grundes. Der Bauträger durch den Um-/Neubau und der Investor durch hohe Einnahmen aus dem Verkauf, der Vermietung des Gebäudes. Und wenn der Investor dabei nicht gewinnt? Dann schreibt er ab. Und wenn er abschreibt muss er weniger oder gar keine Steuern mehr zahlen.

Da fällt mir nur der Leitspruch des Kartenspiels ein: “Wer schreibt, der bleibt.”

Empire St.Pauli. Guter Film und absolut sehenswert. Was mich noch besonder freut ist die Veröffentlichung unter creative-commons Lizenz. Hier noch ein Ausschnitt:

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7 Responses to “Gentrifizierung – was ist das? Und was hat es mit St.Pauli zu tun?”

  1. Stefan

    Dein Empire – Bildlink ist fehlerhaft. ;-)

  2. Moritz

    Stimmt,
    Danke,
    Berichtigt.

  3. Markus

    Habe auch schon mal über dieses Thema geschrieben:

    http://roitsch.info/2008/12/gentrification/

  4. Not In Our Name, Marke Hamburg! | Lonely People Talk A Lot

    [...] Gentrifizierung, für Gerechtigkeit und Ausgleich. Recht auf freie Wohnortswahl, unabhängig vom Einkommen. Achtung [...]

  5. Corry

    Tzs tzs tzs immer dieses Halbwissen… Gentrifizierung hat in der wissenschft absolut null mit sozialer Aufwertung zu tun, sondern der Änderung der baulichen Qualität (Smith und Ley), was dann wiederum eine soziale Aufwertung nach sich ziehen kann durch den stufenweisen Austausch der Bevölkerung. Also wisst ihr, glaubhaft und ernst genommen werdet ihr erst, wenn ihr euch vorm bloggen ein bisschen mit dem theoretischen Grundgerüst auseinander setzt.

  6. moritz

    Sorry, Bloggen hat nicht mit Faktensammlungen zu tun, da Blogs von Menschen geschrieben werden die eine Meinung haben und sich eben auch wieder mit Menschen austauschen wollen, die eine Meinung haben. Und nicht mit Klugscheißern, die meinen alles besser wissen zu müssen.
    Erkläre mir doch einfach kurz den Grund für irgendjemand ein Gebiet baulich aufzuwerten. Aus altruistischen Gründen? Oder doch auf Grund erhoffter Gewinne aus der Aufwertung der Immobilien mit zu erwartenden höheren Einnahmen aus Mieten, bzw. Veräusserung. Und wer kann sich das dann wieder leisten?

    Tip an dich. Erst denken, dann kommentieren. Weißt du, glaubhaft und ernst genommen wirst du erst, wenn du dich vorm Kommentieren ein bisschen mit dem theoretischen Grundgerüst auseinandersetzt.

  7. catty

    Moe, du bist doch ein Idiot. “Tip an dich. Erst denken, dann kommentieren. Weißt du, glaubhaft und ernst genommen wirst du erst, wenn du dich vorm Kommentieren ein bisschen mit dem theoretischen Grundgerüst auseinandersetzt.”

    Der Kommentar von Corry ist ausreichend fundiert. Und du hast dich sehr offensichtlich nicht mit dem “theoretischen Grundgerüst” auseinandergesetzt.

    Ich empfehle dir “Gentrification” von Lees, Slater & Wyly. Und falls dir das zu anstrengend ist, dann gibt´s immer noch “Wir bleiben alle!” von Andrej Holm. Das ist leichter verdaulich.

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