Kürzlich besuchte ich mal wieder all meine Großeltern. Dies ist glücklicherweise nicht sehr schwierig, da alle vier in zwei unterschiedlichen Häusern in der selben Stadt wohnen. Es ist jedes mal nett die Alten zu treffen, zusammen zu speisen, sich auszutauschen und sich über die neuesten Stände aus den jeweiligen Leben aufklären zu lassen. Da ich sonst relativ wenig bis gar nicht mit Personen im Alter von 75+ zu tun habe ist es natürlich auch immer etwas anders, als Treffen mit Gleichaltrigen oder der Elterngeneration. Alle haben so ihre Eigenheit.
So fiel mir dieses Mal auf, das all die Punkte an denen Facebook ansetzt und einem suggeriert am Leben der Bekannten teilhaben zu können, meinen Großeltern das Leben leichter machen würden. Es überrascht mich immer wieder, wenn ich nach irgendwelchen Personen gefragt werde, die mal irgendwann in meinem Leben eine Rolle gespielt haben und ich beantworten soll was die nun machen. Ob das jetzt Freunde, Kollegen oder Bekannten von mir waren, die das Glück hatten meine Großeltern kennen zu lernen, bzw. von denen ich meinen Großeltern erzählt habe. Oder ob es Bekannte meiner Eltern sind, Personen also, die ich zum Großteil selbst seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe, oder deren Kinder. Sorry, Oma, tut mir leid Opa, alle die ich nicht bei Facebook habe kenn ich nicht mehr.
Das ist zwar so nicht war, aber vermutlich wäre es der schnellste Weg mehr über diese Personen herauszufinden. Doch woher diese Neugier am Leben der Anderen? Vielleicht lasse ich hier gerade einen tiefen Blick in die Psyche meiner Familie zu, aber ich bin selbst verwundert ob dies einfach eine ganz normale Funktion des gesellschaftlichen Zusammenlebens ist, auf die soziale Netzwerke in erster Linie abzielen. Ist dieses tatsächliche Interesse am Verbleib der Anderen vielleicht sogar der Punkt den ich im Bereich Social Media vermisse?
Zumindest eines wurde mir klar, nachdem ein Name nach dem anderen tief aus den Falten meines Gehirns gezogen wurde. Ich habe zu einigen den Bezug komplett verloren. Nein, ich werde mich nun nicht hinsetzen und versuchen die Personen zu finden um dann eine Nachricht zu schreiben in der dann steht: “Wie geht es dir? Was machst du so?” Es ist nicht an mir. Der normale Lauf der Dinge. Wir werden dennoch Gesprächsthemen haben, sollten wir uns jemals wieder treffen. Ansonsten bleibt was war.