Der Twitter-Search-Stream zum Thema “Grundeinkommen” steigt im Sekundentakt. Sprich, das Thema ist ziemlich aktuell. Auch erste Zeitungen sind darauf angesprungen und der dm-Gründer Götz Werner wird ein weiteres Mal durchgereicht. Dienstag bei der “Münchner Runde”, heute, beim Stern, Brand Eins hat dazu eine Serie, und die Blogosphäre folgt in Form von: Werbung, Menschlichkeit, Gutmenschsein,okultartige Systemerläuterungen.
Was ist passiert? Susanne Wiest hat beim deutschen Bundestag eine Petition eingereicht um 50000 Befürworter zu bekommen, die diese Idee unterstützen. Diese Anzahl wurde rechtzeitig vor Ende der Zeichnungsfirst erreicht. So weit so gut. Auch ich habe unterzeichnet. Wieso? Ich finde die Idee an sich gut und habe diese Petition auch unterzeichnet. Jetzt muss sich der Bundestag mit diesem Thema beschäftigen.
Wer sind die 50.000 die diese Petition unterzeichnet haben? Da die Unterzeichnung sehr stark durch das Netz gefördert wurde, gehe ich davon aus, dass viele der Unterzeichner, wenn nicht Angehörige der Web 2.0 Gesellschaft, zumindest sehr internetaffin sind. Auf mich passen beide Beschreibungen. Wieso können gerade wir uns so stark mit dieser Idee identifizieren? Verschiedene Gründe sind denkbar:
1. Kostenlos
2. Beta
3. Spielen
1. Kostenlos:
Im Netz sind viele Angebote umsonst für den Nutzer, oder werden von ihm mit dem Faktor Aufmerksamkeit gezahlt, sprich, ich zahle indirekt, da jemand anderes (Werbetreibender) für meinen Besuch dem Dienstbetreiber einen gewissen Betrag überweist. Grund für diese Zahlung bin in erster Linie ich. Der Dienst ist indirekt Grund für die Zahlung, jedoch Grund für meinen Besuch. Für Dienste die häufig frequentiert sind, sind Werbetreibenden bereit höhere Summen zu zahlen. Im Endeffekt stellt aber auch der Besuch einer x-beliebigen Seite, oder eines x-beliebiegen Dienstes von meiner Seite Arbeit dar. Arbeit an mir, Arbeit an meinem Wissen, Arbeit an meiner Entspannung, Arbeit, meine Langweile zu töten. Ich verbrenne Kalorien und stelle einen Dienst zur Verfügung, meine Aufmerksamkeit. Folglich leiste ich Arbeit für den Dienstbetreiber, für die er die Bezahlung erhält.
2. Beta
Beta bedeutet unfertige Produkte auf den Markt zu bringen. Beta ist nicht final. Beta ist eine vorgegriffene Entschuldigung für Fehler, die noch gar nicht begangen wurden. Beta bedeutet unzuverlässigkeit. Beta bedeutet aber auch wieder, ich, der Nutzer eines Dienstes stelle meine Arbeit als Tester zur Verfügung. Die Verbesserung fließt in den Dienst ein, der so ein guter, in Zukunft häufig frequentierter Dienst werden will. Um? Um natürlich wieder die Alte Geschichte der Werbung und Ökonomie der Aufmerksamkeit zu betreiben, die in erstens schon ausgeführt ist.
3. Spielen
Ich hab ein Profil bei Flickr, Youtube, Facebook, ebay, Xing, MeinVZ, Lokalisten, Cometro, Twitter, Qype, Skype, mixxt, blip.fm, last.fm, myspace, comunio, kicktipp, Schwarze Karte, amazon, tipp24.de und skobbler (und weiß nicht, ob es das schon war, bei google [folglich alle Dienste noch mal mit dem Faktor 2 zu versehen] bin ich auch). Was mir das bringt? Nichts, aber ich arbeite an all diesen Profilen irgendwie. Und wer bekommt dafür was? Ich nicht. (Ob es Sinn macht bei so vielen Diensten angemeldet zu sein überlasse ich jedem einzelnen) Aber es kostet Zeit. Momos graue Männer stehen mir die ganze Zeit auf den Socken und knapsen, knapsen und knapsen an meiner Zeit. Also gebe ich ihnen meine Zeit, ich zahle sie ein auf mein Konto bei der grauen Bank. Mein Kontostand sollte nicht unerheblich sein. Und die grauen Männer leiten ihn weiter. An Unternehmen die meine Zeit brauchen. Und bereit sind dafür die Zinsen zu zahlen. Die Seiten und Medien auf denen ich mich tumle stellen in einer gewissen Art und Weise nichts anderes als Einzahlschalter der Bank der grauen Männer dar. Sie stehen an jeder Ecke. Ich kann ihnen nicht entkommen. Diese Einzahlschalter sind vielfältig in Ihrer Ausprägung: Internetangebote, Fernseher, Zeitungen, Kino, Magazine und Montagen and Gegenständen des öffentlichen Lebens (Häuser, Wände, Busse, Schiffe, Himmel, etc.) Ich kann ihnen nicht entkommen. Jedesmal wenn ich dort eine Einzahlung vornehme verrichte ich Arbeit.
Diese Arbeit muss auch gezahlt werden. Wie? Ich wünsche mir dafür ein Grundkeinkommen. Ich wünsche mir dafür ein Einkommen, das mir garantiert weiterhin meine Zeit einzahlen zu können und dafür keine Sorgen um mein Auskommen zu haben. Ich werde das Geld nicht in Form von Konsum zurückzahlen. Folglich kann ich das Geld auch nicht aus einer Anteiligen Konsumsteuer erhalten.Und all die Unterzeichner, die dank Netz die Petition gefunden und unterzeichnet haben stell ich mir näher vor, als sie sich vielleicht wünschen.
Wie die Konsumsteuer in heutiger Zeit funktionieren soll, muss ich in einem weiteren Artikel hinterfragen.
February 19th, 2009 - 23:58
“Wie die Konsumsteuer in heutiger Zeit funktionieren soll, muss ich in einem weiteren Artikel hinterfragen.”
Hier schon mal ein paar Anregungen”
Der Grund, dass gerade dieses Modell anscheinend soviel Anklang findet, liegt in seiner scheinbaren Einfachheit und der Suggestion, dass es sich hierbei um eine blosse Verschiebung der Lasten von einem Punkt der “Wertschoepfungskette” an einen anderen handele, die keine weiteren Folgen habe, ausser, dass so einem jeden klar sei wann, wo und wieviel Steuern er zahlt. Verschwiegen wird dabei, dass es ganz und gar nicht gleichgueltig ist, an welcher Stelle welche Betraege erhoben werden. Immerhin Benzin, Zigaretten und Alkohol wuerden auf diesem Wege (vergleichsweise) spottbillig werden.