“Hambourg que j’ai plus fréquenté pendant la nuit que pendant le jour… Si Paris ne dort pas, Hambourg dort jamais et ses nuits sont à la hauteur de l’enthousiasme teuton, décidement ils savent faire la fête ceux-là
”
Mit diesen Worten leitet der Besuch des Osterwochenendes sein Picasa-Fotoalbum ein. Endlich, nach zwei Jahren Abstinenz in Dublin haben es Silvi und Johannes zurück auf den Kontinent zurück geschafft. Nach Hamburg in meine alte Wohnung. Foglich bin ich umgezogen, allein in eine Wohnung. Gleich eines der ersten Wochenenden nach der Ankunft wurde genutzt um den ehemaligen Kollegen aus Dublin schön unter die Nase zu reiben, dass Dublin vielleicht internationaler ist, aber Hamburg irgendwie doch besser. Diese Gruppe Arbeitskollegen traf sich schon Karfreitag in Copenhagen, diese Einladung schlug ich noch aus, in Erwartung der Crew in Hamburg am Abend des Karsamstags. Da die Truppe aus 6 Gästen und drei frischen Hamburgern bestand wurde ich schon zu Plannungsbeginn bezüglich meiner Willigkeit als Herbergsvater für zwei Franzosen zu agieren gefragt. Kein Problem.
Ostern, langes Wochenende, zwei Tage für mich und Miss Kittin. Zwei für Gäste. Los ging es Samstag Abend/Nacht. Allein die Startzeit, ein Uhr, sorgte schon für Verblüffung, da Dublin nur noch zwei Stunden Nachtleben vorhalten würde. Nicht so Schanze, Hamburger Berg auf dem Kiez, Golden Pudel, Fischmarkt.
Ruck-Zuck wurde es hell und nach dem Fischmarkt erst mal ein ausgiebiges Nickerchen bis Ostersonntag Mittag eingelegt. Der Osterhase war über diese Ignoranz so empört, dass er seine Eier selbst wieder eingesammelt hat. So blieb für uns zum Frühstück um halb eins nur Cropque Madame. Auch nicht schlecht, macht satt, stärkt und ist international akzeptiert. Anschließend den Rest in meiner alten Wohnung bei Obstsalat und frischer Zitronenlimonade getroffen. Als die fünf dort sesshaften endlich mit Duschen und Frisch machen fertig waren, Aufbruch auf die klassische Hamburg-Marathon-Sightseeing-Tour. Auf zu U-Bahn, ab zum Baumwall. Hafencity: Das größte innerstädtische europäische Bauprojekt kommt bei allen Besuchern immer herrlich an. Der Verweis auf die Elbphilharmonie mit Warnung sich das jetzige Bild gut einzuprägen, denn bei einem nächsten Besuch, wann immer dieser auch sein mag, wird es anders sein, sorgt für willkommene Schnappschussmöglichkeiten.
Der Weg bis zum zukünftigen Kreuzfahrterminal, vorbei am Inbegriff der Umsetzung eines Miniaturwunderlandes. Schöne Gebäude, anmutig in Reihe, kühl und klar die Linien. Nur wie dort echtes, europäisches, urbanes Leben einziehen soll, muss mir erst noch erklärt, oder vielleicht gezeigt werden. Momentan stehen auf der einen Seite die schönen, klaren Fassaden und im Patere finden sich irgendwelche x-beliebig austauschbare internationalen Handelsketten wieder. Nichtsdestotrotz: Für Touristen und für mich jedesmal wieder beeindruckend. Doch diese aalglatte Fassaden mit eventuell zukünftigem urbanen Lebensgefühl, nennen wir es Disneyworld 2.0, sind nicht Hamburg oder zumindest nicht mein Hamburg.
Hinab zum Sandtorhöft auf die Fähre, hinaus auf die Elbe, hin zu Elbstrand und Strandperle. Der Schmelztiegel der Hamburger Szenen. Um keine der unterschiedlichen Gruppen zu beleidigen belasse ich es bei der Ausführung über die Szenen. Denn nur diese Vielfalt und die Einfachkeit der Lokalität, erzeugen den Charme, der Hamburg in unglaublicher Freundlichkeit und Natürlichkeit erstrahlen lässt. Geheimtipp wäre übertrieben, aber ein Tipp ist es auf alle Fälle wert. Auch wenn an der Strandperle Getränke in Plastik abgefüllt werden.
Nach einem Zwischenstopp dort und Geschichten über Meer, Hamburg, Auslandserfahrungen etc. machten wir uns auf nach Ottensen. Ein weiterer Höhepunkt des urbanen Lebensgefühls Hamburgs. Das Reh als Ort zur Rast und Erholung und um dem Sonnenuntergang aus der Perspektive der Maus, die durch die Spalten des Kanaldeckels die Änderung der Tageszeit beobachtet, beizuwohnen bevor Pläne zur weiteren Gestaltung des Abends entworfen werden. Zurück nach Winterhude, Goldbeker lockt nach Wiedereröffnung mit Hamburger Spezialitäten à la Labskaus und Panfisch. Jedoch bevorzugen die Internationalen den Gourmants näher stehend als wirklich wie Gourmets sich dem Neuen hingebend: klassisch Steak. Je nach Nationalität: roh, leicht angebräunt, medium oder durch. Tischdiskussion über die Entwicklung der europäischen Gesellschaft von Erzfeinden hin zu Blutsbrüdern. (Wenn man die Steaks nach Nationalitäten aufteilt, ist die Blutsbrüderschaft der Franzosen und Engländer auf jeden Fall blutiger) Austausch über Perspektiven und kurzfristige Lebenspläne. Schönes Abendessen. Am Ende ist es schon fast Mitternacht. Hauptsache alle sind danach wieder fit für weitere Taten. Nach dem Essen wieder auf die Schanze. Am Bunker vorbei, der leider gemieden werden musste, da nicht alle der Gruppe willig sind, sich deutschem Hard-Elektro-Gefrimmel hinzugeben, was ich gut verstehen kann. Grüner Jäger ist eigentlich ein Laden, der vielen Wünschen gerecht wird, aber da dort nichts los war und das Motto 60 Mashup war, ließen wir die Idee wieder fallen.
Auch zeichnete sich eine gewisse Ausgemüdigkeit Hamburgs ab. Vermutlich lags am phantastischen Wetter, das zu diesem Zeitpunkt schon fast eine Woche lang anhielt. Egal, wir nochmal ins Goldfischglas um ein bisschen mit den Fischen im animierten Aquarium zu spielen um dann einen letzten Versuch im 13. Stock zu wagen. Dieser Versuch glückte, war aber eine blöder Vorschlag von meiner Seite, da sich oben die dickbäuchige Koksmafia zusammengerottet hat, und alles und jeden mit Schlag auf die Schulter und einem freundlichen: “Ho, Digga, ey, digga!” begrüßte. That’s not my name. And none of the others neither. Also um halb drei der Generalabbruch. Am nächsten Tag musste der Großteil der Reisegruppe schließlich eine der bekannten no-frills-airlines besteigen um zurück nach Dublin zu jetten. Eine letzte Prise Schlaf, dann ein letztes gemeinsames Mal in Form eines Brunchs im Borchers Eppendorf, ein Taxi gerufen und überzeugt.
“Hamburg, in welchem ich des Nachts mehr verkehrt bin als tagsüber… Wenn Paris nicht schläft, dann schläft Hamburg niemals, seine Nächte sind die Spitze teutonischen Enthusiasmus, sie wissen dort wirklich wie man feiert.” (holprige Übersetzung der ersten Zeilen)
Das Fazit zog ein französischer Kosmopolit nach drei Tagen Hamburg. Überzeugt. Der kommt wieder.
Wir warten!
