Während in Deutschland alles dem für dieses Jahr größten Sportereigniss entgegenfiebert, hat es mich für das Wochenende nach Istanbul verschlagen. Auch wenn ich in der Vergangenheit schon hier gewesen bin, bin ich von der Energie und der Lebensfreude dieser Stadt überrascht. Die Plätze und Straßen voll mit Menschen, die erhobenen Hauptes stolz dahin schreiten. Die Sonne und Temperatur tut ihr übriges dazu. Istanbul und seine Menschen wissen, was sie haben. Wo sie derzeit stehen. Ich sehe nicht, dass hier ein größeres Verständnis für Politik, Wirtschaft und Kultur vorherrscht als dies in meinem Heimatland der Fall wäre, aber es kommt ein gewisses “Savoir-Vivre” zum Ausdruck welches in dieser Form mir schon fast fremd scheint. Die Dynamik und der Fluss der diese Stadt durchströmt ist elektrifizierend. Sicher, die Innenstadt am Taksim ähnlich jeder Großstadteinkaufsmeile und auch hier gehen die Menschen dem bekannten Konsum nach, doch irgendwie anders. Der Bosporus und Teile des Meers, die immer wieder am Ende der Häuserschluchten in türkisblau hervorblitzen bieten einen Anlaufpunkt zum rasten.
Um einen Moment inne zu halten, die Gedanken treiben zu lassen und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Einzig die politisch/wirtschaftliche Konstante, die ansonst fester Bestandteil meines Lebens ist, ist verschwunden. Der Bann von Google durch die türkische Regierung erschwert die Orientierung. Doch kann er auch genutzt werden um eine andere Form der Orientierung aufzubauen. Fragen und Sprechen mit Händen und Füßen, auch wenn der jeweilige Gegenüber mir ob meines Aussehens gerne in türkischem Gegurre antwortet. Ich finde mich zurecht und lobe den öffentlichen Nahverkehr. Das Skellett und Rückrat der Nichtorstansässigen welches die Orientierung ungemein erleichtert. Sauber, modern und klimatisiert. Die Rückzugsmöglichkeit um dennoch im Fluss zu bleiben.