Es ist Sommer 2010, es ist heiß. Alle Orte mit Klimaanlage potentielle Rettungsorte zum Schutz vor Schweißflecken und unangenehmen Geruch. Ungeschützt in der Hitze am Bahngleis freut man sich der nahenden Erfrischung im klimatisierten ICE. Schon beim Eintritt weicht dieses Gefühl entsetzen. Drinnen wie Draußen, kein Unterschied auszumachen.
Die Reise beginnt. Gleich nach der Fahrkartenkontrolle verteilt die nette Schaffnerin mit den roten Haaren und dem dicken roten Lippenstift Wasser.
„Entschuldigen Sie bitte, die Klimaanlage ist defekt. Möchten Sie gerne ein kostenloses Wasser haben?“
Ihr ist die Hitze nicht anzumerken. Wie auch? Puder und Make-Up lassen die echte Gesichtsfarbe nur durch die Referenz des Haaransatzes erkennen.
„Kein Problem, ich bin Hobbyklimaanlagentechniker, soll ich mir die Maschine mal ansehen?“
Sie lacht.
„Ja, ich verteil nur noch kurz die Getränke, kommen Sie doch einfach hinter zum Schaltschrank dann können wir das Problem sicher lösen.“
Vor dem Wegdrehen zwinkert sie mir nochmals auffordernd zu.
Ich bleib natürlich sitzen.
Nach 20 Minuten kommt sie enttäuscht zurück.
„Jetzt habe ich die ganze Zeit auf Sie gewartet.“
„Oh, Entschuldigung, das war nur ein Scherz und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen zum Schaltschrank gefolgt wäre, dann wäre uns auch nicht kühler geworden.“
Auf ihrer Wange bahnt sich ein Tropfen in Bronze den Weg zum Hals.