Ende April, Sonne, ich stehe in Dresden vor der TU und erkenne wo der Solidaritätszuschlag gelandet ist. Das Geld ist gut angelegt. Super Eindruck von außen, die Gebäude neu, die Ausstattung gut und das WLAN ist ein Gedicht im Vergleich zu den Erlebnissen auf der Re:publica. Die Anzahl der Teilnehmer irgendwie überschaubar, so dass zu Beginn auch eine klassische Vorstellungsrunde durchgeführt werden kann. Stelle dich vor, nutze dazu drei Tags. War die Ansage, glaub ich. Zu dem Zeitpunkt der Erläuterung war ich noch vor dem Veranstaltungsraum mit der Frühstücksaufnahme beschäftigt. Die Sessionvorschläge kommen schnell und so können die Sessions pünktlich um 11:00 Uhr beginnen. 17 Themen die mich ursprünglich interessiert haben müssen an diesem Tag auf Grund von Überschneidungen auf fünf zusammengestrichen werden. Los geht’s mit dem Thema:
Ein spannender Vortrag der für den Beginn einer solchen Veranstaltung zumindest mir noch etwas zu abgehoben war. Etwas leichter Verdauliches hätte den Einstieg vereinfacht. Nichtsdestotrotz ein super spannendes Thema. Fragen nach Regeln, die bisher im Netzleben noch nicht definiert sind werden gestellt und müssen definiert werden. Es geht um Grundsatzfragen. Frei nach Watzlawick: “Man kann nicht nicht-kommunizieren.” Wie wird es sich in Zukunft verhalten, was werden die Auswirkungen persönlich sein, sollte man in Zukunft keinen digitalen Fußabdruck haben? Werden diejenigen ohne, als weniger offen eingeschätzt? Hat man Angst vor diesen Leuten? Behindert es in Zukunft vielleicht so weit, wie es heute behindert, Trunkenheitsbilder auf seinem Facebook oder MeinVZ Profil zu haben? Luhmann wird ins Feld geführt mit der Erwartungserwartung. Wie werden diese “klassischen” soziologisch- und kommunikationswissenschaftlich untersuchten Verhalten im Netz abgebildet werden? Was überraschend ist: Im Auditorium macht sich keinerlei Angst bezüglich Datenschutz und Transparenz breit. Zumindest spricht es keiner aus. Wir sind digital und wir sind sichtbar. Und das ist gut so. Meine persönliche Meinung divergiert. Ich bin zwar grundsätzlich auch bereit viel von meinem Handeln frei zu geben und meine Meinung frei zu äußern. Sollte sich allerdings herausstellen, dass diese Offenheit zu Nachteilen in der Gesellschaft führt habe ich doch einige Bedenken. Im Endeffekt stellt sich dann ein Markt dar, in dem ich vollständig transparent bin für Außenstehende, ich aber nicht unbedingt diese volle Transparenz für meinen Konsum habe. Beispiel: Ich will nicht, dass meine Krankenversicherung an Hand meiner Bankkarte mitverfolgt, wie viele Zigarettenschachteln ich kaufe (ich rauche sie nicht, ich bin der weltgrößte Zigarettenschachtelsammler). Ich verleihe meine Karte von Zeit zu Zeit und habe Angst gegenüber Anderen schlechter gestellt zu werden da mein Handeln fehlinterpretiert wird. Wobei meine Zugehörigkeit zur Risikogruppe: “Raucher” die Handlung der Versicherung durchaus verständlich macht. Datenschutz zieht zwangsläufig die Frage der Datensicherheit nach sich. Wie kann ich meine privaten Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen? Als spannendste Lösung wurde erneut “Hello World” vorgestellt. Als eine ID, mit der ich konkret steuern kann, wer auf welche meiner Daten zugreifen kann. Am Ende des Tages bleibt die Verantwortung für die Sicherheit bei mir. Schon früher waren die Leute, die alles über sich erzählt haben in manchen Sachen schlechter gestellt, denen gegenüber die sich zurückhielten. Obwohl mir der Fall der absoluten Transparenz besser gefällt. Endlich ein Grund für alle verantwortungsbewusst zu Leben.
Zitat zum Ende: “Es besteht kein Zwang, dass das technische System kommerziell ausgenutzt werden muss.”
Die zweite Session die ich mir ausgesucht habe beschäftigte sich mit dem Thema: mobile Advertising unf Monetarisierung – was geht, wo geht es hin, was macht smaato? Michael Osei-Ampadu stellte sein Netzwerk und Geschäftsmodell vor. Er führte die Möglichkeiten der Online und zukünftig auch Mobile Werbung auf zwei Strategien zurück, mit Hilfe derer Werbung verkauft und angebracht werden kann: Reach und Premium. Bei der Reachstrategie geht es darum möglichst viele Page Views (Contacts) zu erzeugen. Möglichst oft, seinen Banner anzubringen und so auf Grund der schieren Maße von Anzeigen, Kunden auf die Angebote der Werbetreibenden zu locken. Der zweite Ansatz, Premium, Premium sind Inhalte die direkt dazu führen, Umsatz zu erzeugen und ein Performancetracking zulassen. Im Mobilen Marketing sind erfolgreiche Beispiele hierfür: Klingeltöne, Mobile Ad-ons, Mobile Content. Im Grunde alles was über und für das mobile Gerät aktiviert werden kann. In diesem Bereich gibt es wenige große Brands, wenige Tests sind notwendig und auch ein kleines Budget führt zum Erfolg. Was sind die Möglichkeiten für Agenturen? Im Moment müssen Agenturen beweisen, dass sie alles aus einer Hand liefern können. Die Arbeit ist beratungsintensiv und stellt hohe Ansprüch an die Fähigkeiten der Agentur, bzw. derer Mitarbeiter. Sie müssen alles können. Microsites, Mobiles Internet, Widgets, etc. Der volle Blumenstrauß muss gesteckt werden um die Kunden zu überzeugen. Das Fazit zum Ende der Diskussion: Mobile Marketing befindet sich im Moment noch in einem Entwicklungsstadium.
Es wird noch eine Weile dauern und die Penetration muss die Sinnhaftigkeit der mobilen Werbung beweisen. Bis dahin müssen laut yoc die Werbetreibenden die hohen Kosten unter Kontrolle bringen. Grundsätzlich muss eine Lösung für die Tranparenz der TransactionRate gefunden werden. Die Werbung muss stärker kontextbezogen sein, Kontextbezug und Relevanz bezüglich des mobilen Mediums. Das „klassische“ Denken der Online-Werbung kann in diesem Umfeld nur bedingt angewendet werden. Der Werbemarkt kümmert sich derzeit mehr um die Reichweite als um die Belangen der Kunden. Laut MMAGlobal.com die sich auf CaseStudies des VodafoneLivePortal beziehen ist für eine Reichweite von 5 Millionen ein TKP von 35€ anzusetzen. Dieses Budget ist derzeit nicht vorhanden und wird höchst für irgendwelche Testläufe eingesetzt. Oder als Imagekampagne großer Brands die so ihre Innovationspotential unter Beweis stellen möchten. Als Beispiel war hier der Autokonfigurator von BMW genannt, der ein Bild, des vom Nutzer zusammengestellte Auto, als MMS aufs Handy sendete. Auch aus diesem Grund sind mobile Applikationen derzeit dem Mobile Web gegenüber im Vorteil, da sie dem Nutzer die Möglichkeit geben Einfluss auf die Relevanz der Inhalte zu nehmen. Im Bezug auf Mobile Web gibt es noch keine ausreichenden Studien, was der Nutzer überhaupt will. Es fehlen die überzeugenden Konzepte.
Im Anschluss an diese Session wählte ich: Web und Enterprise 2.0 präsentiert von Jens Osthues. Interaktivität war angesagt und so wurde zu Beginn jede/r Teilnehmer/in dazu aufgefordert, Pünktchen bezüglich der Nutzungsvorlieben und seiner Plattform befragt. Die Sinnhaftigkeit habe ich nicht ganz verstanden und es wirkte auf mich auch eher gewollt und nicht gekonnt, da auf die Auswertung der Punktergebnisse im Laufe der Session nicht weiter oder zumindest ungenügend eingegangen wurde. Ansonsten wurde viel gebuzzt und gegeekt und als Fazit bleibt vielleicht nur zu sagen: Sicherheit stellt für Unternehmen die höchste Gefahr für den Einsatz von Web 2.0 Technologien dar und ist der stärkste Hinderungsgrund. Produktivitätsvorteile wurden nicht aufgezeigt oder zumindest nicht klar formuliert, dennoch glaube ich das der vernünftige Einsatz all dieser Tools zu Produktivitätssteigerung führen kann und wenn nicht, zumindest die Transparenz im Unternehmen erhöhen kann. Cloud Computing war in diesem Zusammenhang die Sau, die durchs Dorf getrieben werden musste, denn immerhin wollen wir auf alle Daten von überall aus zugreifen. Naja, eher schwache Vorstellung, da kann die umfangreiche Ideensammlung am Schluss auch nicht drüber hinwegtäuschen. Enterprise 2.0 ist für mich eine Zustandsbeschreibung die sich in der Unternehmensethik ausdrückt. Sicherheit und Kultur des Unternehmens sind die Schwachstelle der Organisation zur Einführung dieser Social Components. Sobald ein Unternehmen das Chaos, welches solche Anwendungen in sich bergen akzeptiert, kann seine Organisation den Schritt zum Enterprise 2.0 wagen.
Anschließend gab es lecker Wraps zum Mittagessen und off-topic Gespräche. Wobei so wirklich off-Topic waren diese Gespräche auch nicht. Mobile bleibt Mobile und Web bleibt Web, aber der Übergang von Haar-Gel zu QR Tags war fließender.
Nach der Mittagspause nutze ich die Möglichkeit mir eine Session einer der größeren Sponsoren anzusehen. Vodafone Mobile Widgets. Die von mir besuchte Session gab einen Einblick in Technologie und Idee die sich hinter diesem Portal versteckt und diente eigentlich als Teaser für den anschließend angebotenen Workshop, der sich an Webentwickler wendete und diesen Anleitungen zum Selberbauen gab. Bin ich Web-entwickler? Nein. Also habe ich nur diese Session besucht. Die Vorstellung erweckte bei mir den Eindruck, als ob Widgets im Endeffekt eine Hybridlösung zwischen Lesezeichen und eigenständiger Applikation darstellen. Von beiden Elementen will Vodafone die Vorteile zusammenbringen. Die Nutzbarkeit soll ähnlich der, nativer Applikationen sein und die Geschwindigkeit der Ausführung und Entwicklung eher auf dem Anlegen von Lesenzeichen basieren. Als Vorteile wurden schneller Zugang zum Netz, Personalisierung durch den Nutzer und Interaktivität mit Hardwarefeaturen. All das soll durch die Nutzung von Framework-Standards, die durch W3C definiert sind, geschehen. Um mir einen umfassenden Eindruck von den Möglichkeiten zu verschaffen muss ich mich noch tiefergehend mit dem Thema auseinander setzten. Vodafone versucht auf diese Art und Weise zu verhindern, dass sie weiterhin nur als Bitpipe dienen. Das Geschäftsmodell und die Beteiligungsmodelle für die Entwickler wollten die beiden Vortragenden nicht nennen. Angeblich gibt es fünf bis sechs Modelle, aber man hätte sich noch zu keiner Entscheidung durchringen können. Aus diesem Grund gibt es vorerst auch noch kein Geld zu verdienen, denn man befindet sich noch in der beta-Phase. Die eigentliche Demo auf einem Handy musste dann auf Grund eines Systemabsturzes und fehlender Zeit entfallen. Hat mich nicht überzeugt. Noch nicht. Wird beobachtet.
Die letzte und fünfte Session die ich mir diesen Tag ansah war gleichzeitig auch die spannendste aus meiner Sicht. Thema: Mobile Couponing. Präsentiert von Andre Reif, der mit seiner Firma: MyMobai.de ein digitales Gutscheinheft anbietet.
Die Herleitung des Gutscheinhefts basierte auf der Analogie zum gedruckten Gutschein. Was MyMobai im Moment macht, ist das Medium auszutauschen. Statt Papier habe ich den Gutschein im Handy als Barcode. Allein dadurch ergeben sich schon einige Vorteile für den Nutzer. Weniger Mist, der den Geldbeutel verstopft und weniger Müll generell. Im Moment haben sir noch kein performancebasierendes Tracking, welches aber vorstellbar sei, jedoch im Moment noch an der nötigen und fehlenden Technik im Einzelhandel scheitert. Dennoch konnte er an Hand einiger genannten Zahlen die Entwicklung im Bereich der klassischen Gutscheine zeigen. Wurden im Jahr 2006 in Deutschland 2 Mrd Gutscheine verteilt, waren es im Folgejahr 5 Mrd um im letzten Jahr 7,5 Mrd der kleinen Papiere. McDonalds als einer der größten Gutscheinnutzer investiert laut Andre wöchentlich 120.000 € für seine Beilage in regionalen Tageszeitungen. Und das nur für die Region Norddeutschland. Die Rückflussquote, ich nenne es lieber Einsatzquote dieser Gutscheine liegt bei lächerlichen 0,5%. Diese Quote kann anscheinende daher berechnet werden, da alle Kassen von McDonalds die für ihre Filiale gültigen Gutscheine hinterlegt hat und diese beim kassieren vermerkt werden.
Auch wenn ich hinsichtlich der Umsetzung durch MyMobai etwas enttäuscht bin, gehe ich davon aus, dass wir in Zukunft noch mehr mit eben jenen Coupons konfrontiert werden. Diese Coupons ermöglichen auf den Kontext „Mobile“ bezogene Werbung, die zu Transaktionen in der realen Welt führen. Affiliates und andere werden sich vermutlich bald auf dieses Modell stürzen und uns mit Coupons im mobilen Umfeld überschwemmen. Auch ich selbst als Mitarbeiter eines Herstellers für Navigationssoftware habe die Businesscases schon im Kopf, mit Hilfe derer wir die Inhalte unserer Systeme monetarisieren könnten. Wobei der Unterschied wäre, diese Monetarisierung müsste nicht weiterhin durch den Endkunden erfolgen, sondern würde durch den Werbetreibenden finanziert sein.

April 27th, 2009 - 10:15
Kann ich jetzt nur für meine Session (Mobile Communities – Future Trends and Challenges) sprechen, aber dickes Lob für die Reportage – Stil und Inhalt, auch sehr gut die Diskussion um Netzwerke und Transparenz dargestellt. Leider blieb dann für das angekündigte Spezialthema “mobile KNOWLEDGE communities” gar keine Zeit.
o< o< @willischroll
May 25th, 2009 - 22:39
[...] unterhielt Willi Schroll, dessen Vortrag ich auf dem Mobile Camp Dresden noch sehr geschätzt habe zum Thema: Why Twitter #Matters and How. Das war nix. Buzzword an Buzzword. Twitter als Maßstab [...]