“Und was machst Du so in deiner Freizeit?”
Uaargh… ich könnte brechen. Mich zu outen als Langweiler, Nerd.
Keine Freunde, keine Hobbies, kein Ziel. Generation Y. Wohin geht’s weiter. Nächtelanges abhängen in Clubs. Exzess Express. Ich und meine Freunde: Drei Tage wach. Ausschlafen. Generation Fernsehen. Zeigt mir was, ich guck dann schon. Generation Netzwerk. Ich erzähl euch allen was ich tolles mach, kann aber gar nicht tolles machen, da ich euch ja die ganze Zeit erzählen muss, was ich tolles mach. Generation Öko. Ich wasche wieder mit der Hand, den ich bin total gegen Energieverschwendung. Generation Planlos. Häh, wer spricht denn da mit mir? Generation Überheblich. Ihr habt alle keine Ahnung. Wir stehen am Rande einer Revolution, der digitalen Revolution. Ihr seit von gestern. Geht dorthin zurück. Nein, wir werden nie wieder Wollsocken tragen. Und das die früher nicht gekratz hätten, glauben wir euch auch nicht. Und ihr wollt uns aus der Scheißsituation befreien in die ihr, Generation Konfliktlos und manövriert habt? Vergiss es. Jeder der über 40 ist: sofort in Rente. Ob man Sie dann noch an der Krankenkasse partizipieren lässt…. Das macht dann die Junge Union.
Ab heute bin ich Noop. Anfänger. Blutiger. Egal. Da muss ich durch. Ich möchte gerne wieder mit Freunden Musik machen. Nichts spektakuläres. Nur so ein bisschen elektronisch. Loopen und Sampeln. Krach machen. Nachbarn nerven. Leute verschrecken. Posen. Mashen. Kein Ahnung was. Irgendetwas tun. Daher habe ich ich eingekauft. Die deutsche Wirtschaft gestärkt. Auch in der Krise meinen Mann gestanden.19% direkt an den Staat. Eigentlich hab ich es gar nicht für mich getan. Sondern für all die Armen und Schwachen dort draußen, die eine starke Schulter brauchen. Mein Ziel war es, diese Schulter zu unterfüttern. Nein, auch wieder falsch.

Was hab ich mir geholt? Einen IBM T43, eine externe Soundkarte. EMU 0202 USB, dazu das KORG nano Set bestehend aus KORG nano Key, KORG nano pad und KORG nano kontrol. Was man damit machen kann. Als Noop auf alle Fälle hervorragend Fluchen. Weniger über die Geräte als über die Software. Das ist eine mittelschwere Wissenschaft und alles immer unter dem Obertitel: Projekt. Ich hasse Projekte. Projekte sind für andere da. Ich mach keine Projekte. Ich plane langfristig oder gar nicht. Aber nicht in Projektzyklen. Lautes Schreien dringt durch die Bude ab und zu durch das Quietschen seltsamster Synthitöne unterbrochen. Ab und zu läuft sogar der Drumcomputer. Bis ich wieder aus Neugierde den falschen Knopf gedrückt habe und alles zusammenbricht und nichts mehr funktioniert. Laut. Einfach laut. Das mein Nachbar schwerhörig ist, vermute ich seit dem ersten Tag und auch Besuch hat schon nachgefragt, ob sich mein Nachbar der lauten Musik wegen nicht beschweren würde. Tut er nicht. Freut mich. Also kann ich experiementieren. Was das Ergebnis sein wird ist schwer ab zu sehen. Aber wenn ich vorstelle, dass Michael Jackson für den Basslauf von Billy Jean 3 Monate gefeilt hat hab ich noch was vor. Aber Billy Jean ist nicht Elektro. Billy Jean ist kein Krach. Billy Jean würde vermutlich sogar meinem Nachbarn gefallen.
Aber der kann es ja nicht hören.