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Netbookwahnsinn

February 5th, 2009 written by moritz

Ob der Name Netbook jetzt geschützt ist oder nicht, mir egal. Netbook ist ein Synonym für kleine, handliche Rechner, mit Funktionen und Bausteinen die vor zwei Jahren Standard waren bei ihren großen Brüdern/Schwestern mit den 13″+X Bildschirmen.

Wem nützt ein Netbook und was bringt es?

Ich spiele derzeit selbst mit dem Gedanken mir eines dieser Teile zuzulegen, da die Funktionen für meine Anliegen: ein bisschen surfen, ein bisschen schreiben, ein bisschen lesen, ein bisschen mailen, ein bisschen chatten, ein bisschen verrücktes machen. Folglich sollte mir auch ein bisschen Notebook reichen. Ein bisschen Notebook zum Preis eines Mobiltelefons. Ich will nicht unken, aber irgendwie habe ich das Gefühl hinter das Licht geführt zu werden. Ich glaube ich habe den Hacken auch entdeckt.

Der Hacken ist: Wertminderung meines Besitzes und der erste Schritt in Richtung Datenfremdspeicherung.

Wertminderung:

Ein Gegenstand, den ich kaufe hat einen materiellen Wert den er beim Kauf auf dem Markt verliehen bekommt und sich in Euro wiederspiegelt. Ein Gegenstand hat darüber hinaus einen gewissen Nutzwert, der sich an meinem individuellen Geschmack orientiert. Wenn ich mir jetzt ein Gerät kaufe das einen hohen Nutzwert hat, aber nur einen geringen Preis, dann wird mein Geschmack billig, was erst mal nicht schlimm ist. Nur werde ich, sollte das Gerät kaputt oder verloren gehen diesem nicht lange nachweinen, sondern mir direkt ein neues kaufen. Hatte ich den ersten Rechner für fünf Jahre, die anderen dann jeweils für ca. drei Jahre, erwarte ich bei einem Netbook eine durchschnittliche Halbwertszeit von sechs Monaten, sprich, sollte das Gerät nach zwölf Monaten defekt sein, kaufe ich mir vermutlich gleich ein neues. Für mich sind diese Kosten zwar überschaubar, jedoch beschleicht mich das Gefühl, dass die Hersteller genau auf diesen Faktor setzen. Musste ich in der Vergangenheit den Preis eines vollwertigen Rechners immer auf dem Konto haben (1000€ + x) sind es jetzt nur noch 350€ + x. Und was mach ich mit dem Geld, das jetzt nicht für ein Substitutionsgut “gesparrt” werden muss? Ich konsumiere. Kaufe mir ein neues Handy oder andere Dinge, lege zumindest weniger Geld zurück. Das bedeutet doch im Umkehrschluss, der Wert meines Besitzes sinkt direkt proportional zum Wert meines Bankkontos. Ich habe mehr billige Gerätschaften mit hohem Wertverfall und brauche auch keine Rücklagen, alles kann billig wiederbeschafft werden. Paradox. So wandert mein Besitz (Geld) in die Hände der Produzenten, in die Wirtschaft.

Der zweite Punkt den ich genannt habe, mit der Fremddatenspeicherung ist fast gefährlicher als erster und in Kombination mit ersterem fast schon menschenverachtend. Datenfremdspeicherung. Den Datenberg, den ich mit mir rumschleppe wächst täglich. Mit jedem Post, mit jeder Geldtransaktion, mit jeder Mail, mit jedem Bild, mit allen Tätigkeiten die ich im digitalen Netz verrichte. Wenn ich meine Infrastruktur jetzt auf hoch mobile Geräte umstelle, die durch die Mobilität wahrscheinlich schneller oder öfter defekt sind als die alten, stationären, bin ich dazu bereit mehr meiner Daten im Netz zu speichern, da sie dort vermutlich sicherer sind als auf dem mobilen Gerät welches bei schwerem Defekt oder Verlust, gleich der Daten weg ist. Allerdings sind die Skandale der letzten Zeit nicht spurlos an mir vorbeigezogen. Was ist nun, wenn hoch sensible Daten über mein Person, ich meine nicht meinen Verdienst oder Kontostand, sondern eher welche die meine Gesundheit oder andere wirklich persönliche Dinge betreffen, vielleicht bin ich Hobbypyromane, Fallschirmspringer, Gewalttätig, Psychisch belastet, MusikerAusgestoßener, nicht “normal“. Plötzlich erhalte ich die Kündigung von meiner Krankenversicherung/Hausverwaltung/Haftpflicht: “Sehr geehrter Moritz, Sie sind für uns nicht mehr tragbar, bitte suchen Sie sich eine andere Versicherung.” Und dann stehe ich da.  Diese Daten sind mein Eigentum, mein höchstes Gut, mein Erkennungs- und vielleicht auch Alleinstellungsmerkmal, was, wenn sie in die falschen Hände geraten?

Dann bin ich vogelfrei. Kein Schutz mehr für mich und meine Leidenschaften. Ausgestoßen. Geld hab ich auch keines mehr. Hab ich ja fleißig verkonsumiert. Für billige Gegenstände. Und plötzlich stelle ich fest. Billig ist gar kein Ausdruck.  Wertlos passt.

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