Ostdeutschland ist seit kurzem mehr denn je vom Netz abgeschnitten. Die Menschen an Neiße und Spree haben im Moment vermutlich andere Probleme als die nicht vorhandene Breitbandanschlüsse und die Abbildungen ihrer Häuser, vor der Flut.
Es mag nicht ganz fair sein, auf dem Rücken der letzten Flutopfer eine Argumentation aufzubauen, doch sehe ich genau hier Zusammenhänge, die zum einen die Notwendigkeit der absoluten Freiheit der Netze zeigt, als auch die Unbedeutsamkeit der Abbildung der realen Welt in Google Street View.
Google Street View:
Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht weiter Öl ins Feuer gießen sondern würde mich einfach nur darüber erfreuen, wenn Street View auch in unserem Land allen Menschen zur Verfügung stehen würde. Die Daten die sich in diesen Bildern verstecken gibt es eh schon lange und werden von zahlreichen Ämtern gehütet, deren genauen Namen ich nicht weiß, außer vielleicht das Hamburger Amt für das Management des öffentlichen Raums mit welchem ich kürzlich eine Begegnung hatte. Auf diese Unterlagen hat im Endeffekt schon heute jeder Zugriff, der die Zeit hat, oder es sich leisten kann. Daher wäre eine Veröffentlichung der Bilder für alle ein Beitrag zur Demokratisierung des Netzes. Informationen für alle. Egal ob Kaiser, Königin, Bauer oder Magd. Einzige Voraussetzung ist ein Rechner mit Netzanschluss oder ein modernes Mobiltelefon, auch Smartphone genannt.
Netzneutralität:
Die deutsche Telekom hat schon vor wenigen Wochen angedeutet, dass das steigende Volumen der zu versendeten Datenpakete die technische Infrastruktur überfordern würde. Daher möchte die Telekom eine Zweiklassengesellschaft etablieren in der derjenige mehr Bandbreite erhält, der mehr bezahlt. Anfang dieser Woche stimmten nun auch Google und Verizon in den Klagegesang der Netzgiganten ein und stimmten somit der Telekom zu. Der Aufschrei der durch alle Medien geht und die selbsternannten Freiheitskämpfer des Netzes empört ist fast nicht mehr zu überhören. (Die klassischen Medien zerreißen sich lieber das Maul über Google Street View, aus Angst, das Netz könnte schneller Bilder von Tatorten zeigen und niemand benötige mehr die Schnappschüsse ihrer schlecht bezahlten Fotographen.) Die wäre eine tatsächliche Beschränkung der Freiheit, das absolute Gegenteil von dem was Street View zu bieten hätte. Daher folge ich der Initiative Pro Netzneutralität nicht weil ich der Ansicht bin, One-Klick-Activism würde irgendwohin führen, sondern einfach nur um das Wort im freien Netz zu verteilen und mahnend den Zeigefinger zu erheben.
Die Errungenschaft des Netzes, der Ort der freien Meinungsäußerung muss weiterhin Jedem und Jeder zugänglich sein, wie die Luft zum Atmen und unsere Atmosphäre, als Mutter der freien Infrastruktur, nur in ihr verbreiten sich die Schallwellen der ursprünglichsten Kommunikationsform, die uns den Aufbau einer komplizierten Welt erst ermöglicht hat.
Und wie schon so oft in der Vergangenheit möchte ich mit Tocotronic schließen. Diesmal mit einem guten Rat.
