Slow down. Die klebrigen, leicht braungefärbten Finger verunsichern mich. Im Bus sitzend, Zeitung lesend auf dem Weg ins Büro. Dieser verdammte Coffee to Go. Heiß, geschmacklich so lala und der Deckel wie immer undicht. Wieviel Zeit werde ich benötigen um mich von diesem Blödsinn wieder zu trennen?
Ja, Kaffee ist verdammt lecker. Mit Milch und Zucker und am besten noch einer Zigarette dazu ein Inbegriff von Lebensqualität. Unter der Bedingung dass man sitzt. Im Kaffee, in der Kneipe, am Strand oder auf der Promenade. Doch wo bin ich? Mitten im Großstadtgetümmel, pseudo-gestresst und gehetzt unter all den anderen. Die Kaffees um diese Tageszeit verweist oder noch geschlossen. Die Verkäuferinnen in den Bäckereien genervt vom ständigen gefrage: “Wo ist der Zucker? Wo find ich die Deckel?”
Wie sind wir hierher gekommen? Egal, es ist passiert. Wie kommen wir hier wieder weg? Entspannung ist gefragt. Kurzes innehalten. Zeit nehmen für Kaffee und Zigarette, dazu ein Buch oder die Zeitung. Den Geist vorbereiten für den Tag. Single Tasking statt Pseudo-Multi Tasking. Und auch ästhetisch muss endlich Schluss sein, mit den entwürdigenden Motiven auf den Pappbechern und ihren undichten Deckeln. Von der von Coffee to go ausgehenden gesundheitlichen Gefahr gar nicht zu sprechen. Die tragende Hand, leicht spastisch, der Ellenbogen im rechten Winkel geknickt um die Klamotten bloß nicht zu versauen, in torkelschrittchen Richtung Ziel. Nein, Stop, Schluss. Es langt. Der Entwürdigung des Kaffees und unserer Entwürdigung durch dieses Produkt muss einhalt geboten werden. Schwarzer Kaffee aus weißen Tassen. So stell ich mir die Zukunft vor.

