Zur Überschrift: Shift happens ist das Moto der diesjährigen Re-publica in Berlin. Sie findet zum dritten Mal statt und ist eine Veranstaltung von und für Blogger. Und für Journalisten (oder wie es oft auch heißt: Schuhrnalisten) und für Interessierte. Ich zähle mich zur dritten Gruppe. Meine Beweggründe dort hin zu gehen waren eigentlich genau die oben genannten Fragen: Was war, was ist, was kommt #rp09 steht nur in der Überschrift, da alle Posts dieses Blogs gleichzeitig auf Twitter gepostet werden und alles nach dem # als Tag gelten kann mit dem man Posts zum gleichen Thema suchen, filtern und finden kann.
Keine der Fragen wurden bisher beantwortet. Eigentlich gibt es wenig neues zu berichten. Mit Twitter wird ein weiteres Mal die Sau des Mikroblogging durchs Dorf getrieben, davon aber auch nicht fett. Selbst ernannte “Großstadtnomaden”, die zu dritt ein Podiumsdiskussion abgehalten haben, dessen Schwerpunkt eigentlich nicht auf Twitter und den Möglichkeiten dieses Dienstes lag, sondern eine Diskussion zur Entwicklung von Twitterclients für unterschiedliche mobile Endgeräte. Gäbe es für die Nennung von G-Phone Geld, hätte Google das Bier für alles zahlen müssen, so oft wie dieses Gerät genannt wurde. Auch das Iphone kam gut weg. Und RIM mit dem Blackberry wurde auch in eine Position gebracht als zukünftiger Hoffnungsbringer neben Palm im Smartphonebereich zu gelten. Vielleicht sagt dieser Satz alleine schon genug darüber aus, wie wenig der Vortrag mit Twitter oder mit Großstadtnomaden oder sonstigen Nomaden zu tun hatte. Das war eine nerdy-techy-sandy-Diskussion. Krönernder Abschluss fader Debatten der nur eine Einzige, von einem amerikanischen Jüngling als state-of-the-art, sprich “was ist” gelten kann. Dieses einzigen Highlight möchte ich mir allerdings als letzten Punkt dieses Post aufsparen. Nach der Keynote von Johnny Haeusler, Zitat: “…wir sind die erste Generation der digitalen Generation, wir werden die ersten komplett vernetzten Renter sein.” und “…wir sind die einzige Generation die sowohl die analoge als auch die digitale Welt kennengelernt hat…” war ich eigentlich zuversichtlich gestimmt. Es folgte John Kelly mit einem Vortrag zum Thema: “Mapping the global blogosphere”. Witzige 3-Dimensionale Kugeln, in denen die unterschiedlichen Nähe von Blogs einer gemeinsamen Sprache ausgewertet wurde. Der tiefere Sinn dahinter ist etwas schleierhaft, wenn man den Titel beachtet. Global? Um dann doch nur regional, oder sprachlich aufgedröselt zu werden? Was bringt diese Auswertung? Es kann ein Meinungs- oder eigentlich nur ein Quellbild aufgezeigt werden. Woher holen sich die Blogger Ihre Information und? ÜBERRASCHUNG: Hauptsächlich aus Wikipedia, Youtube oder aus den Webablegern der renommierten Zeitungs- und Verlagshäusern. Weltweit. Das ist meine Interpretation und die mag falsch sein. Das Thema wurde in ca. 36 Minuten durchgeprügelt was eindeutig zu kurz für das Thema ist. Und ohne eine wirkliche Aussage abgeschlossen. Retrospektivische Betrachtung. Was war. Vielleicht auch was ist. Aber wenn jetzt was passiert, was alle betrifft oder interessiert? Es wäre falsch bei dieser Auswertung vom “Was ist” zu sprechen. Das versuchten dann die nächsten, die die Bühne betraten. Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Robert Basic, Sascha Pallenberg und Stefan Niggermeier sprachen über das Thema: “Blogs in Deutschland”. Das Thema wurde nicht getroffen. Es wurden ein paar Blogging-Erfahrungen ausgetauscht aber auch durch Zurufe aus dem Publikum wieder und wieder das alte Thema: “Wir Blogger wollen einen Presseausweis” aufgegriffen. L-A-N-G-W-E-I-L-I-G und überflüssig. Das Thema ist durch. Aber anscheinend immer noch aktuell. Ich selbst kenne die Dikussion seit ich mich mit Blogs beschäftige. Aber eine Legitimation für einen Presseausweis für Blogger sehe ich nicht und werde es auch nie einsehen. Das System der Presseausweise und der PR ist auf die klassischen Medien abgestimmt. Deshalb bekommen diese auch Auweise und vielleicht auch Bevorzugung gegenüber Privatpersonen. Aber: Der Journalist muss publizieren. Die Privatperson darf. Das eine ist ein Beruf. Das andere ein engagiertes Hobby. Wie sagte schon Oscar Wilde vor langer Zeit? “Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”
So einfach. Die restlichen Vorträge die ich gehört und gesehen haben waren in etwa das schon beschriebene.
Ausnahme: moot von 4chan.com. Eine Seite die ich zumindest noch nicht kannte und ursprünglich dafür gemacht wurde, damit moot seine Bilder mit seinen Freunden austtauschen und kommentieren kann. Er präsentierte fantastische Besucherzahlen zu dieser Seite aber brachte es am Ende perfekt auf den Punkt:
“We are Break-Even with our service, I’m not interessted in the money. I programmed this page when I was fifteen, just to exchange pictures with my friends. This was five years ago. I never hunted for the money or the business case. Just a good product. Everybody who is only looking in the business case and for the money, will fail.”
So war es, so ist es und so wird es immer sein.
Und morgen hoffentlich ein bisschen tiefergehend, neuer und wechselwilliger.
