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Yuppies in Urbanity

Reeperbahnfestival 09, #rf09 where are we runnin’?

September 28th, 2009 written by moritz

Reeperbahnfestival 09. Vom 24. bis 26. September. Smidi zu Besuch und wir partizipieren. Donnerstag stand von Anfang an unter keinem besonders guten Stern. Lahme Acts, nix auf was man hingefiebert hätte. Auch nicht schlimm. Entspannte Kieztour. Ab acht. Acht, eine Zeit in der man in der Regel nicht auf dem Kiez ist. So wirkt er auch. Viele der Clubs, verlässliche Partykanonen, wie Rosis Bar noch geschlossen. Im Lucky Star bietet sich dennoch die Möglichkeit, den Besuchern aus Bayern (Smidi hat noch zwei Freunde vom partizipieren überzeugen können) die kulinarische Spezialität des Mexikaners nahe zu bringen.

Das erste Konzert, welchem wir beiwohnen: Siva. in der Prinzenbar. Nett, wobei dies in erster Linie auch der Lokalität und dem Charme der Prinzenbar geschuldet ist. Es ist schon früh ziemlich voll und so verlassen wir nach drei Lieder den Laden um außenrum in den D-Club zu wechseln. King Khan & The Shrines. Pseude James Brown. Nach dem zweiten Lied bin ich raus und treffe mich lieber mit Johannes auf ein Bier auf dem Spielbudenplatz. Als ich zurück komme sind die anderen drei weg. Ich finde sie an der Partyesso. Da kein Programmpunkt wirklich reizvoll ist, schlage ich das Moondoo vor. Ein Club der normalerweise mit oberflächlicher Popunterhaltung glänzt und ein gewisses Verwundern über die Teilnahme am Reeperbahnfestival auslöst. Er bleibt sich treu. Mist. Stundenlanger Soundcheck einer Band die auf den Namen Brixtonboogie hört. Zeitverschwendung. Die Band hat eine Qualität, die man jederzeit auch in der Provinz finden kann. Die Location wie schon beschrieben bescheuert. Einfach kein Club für Livemusik. Jedenfalls nicht für diese pseudogediegene SchickiMicki Geschichte, die die Band für sich selber zu proklamieren scheint. Auch hier ist nach Lied Nummer drei Schluss. Zurück in den D-Club. Der offizielle Headliner des Abends. Dinosaur Jr. Die Atmosphäre vielversprechend. Die intellektuelle Elite ist anwesend. Vom Alter gesetzter was grundsätzlich fast begrüßenswert erscheint. Die Verstärkerwände imposant. Es ist angerichtet. Ich kenne die Band quasi gar nicht. Keine Ahnungslos was mich erwartet wird, betreten drei ältere Herren die Bühne. Herausstechend der Pierre Briece Verschnitt an der Gitarre. Wallendes, langes graues Haar. Auf den ersten Blick könnte er auch ne alte Indianerbraut sein. Was er der Gitarre entlockt und über die Verstärkerwand an uns sendet kann ich leider nur als Brei bezeichnen. Brei, der einfach langweilig, lahm und irgendwie alt klingt. Sorry. Zum dritten Lied auch hier Ende für Smidi und mich. Enttäuscht machen wir uns auf den Weg nach Hause. Man muss sich nicht unnötig quälen und die Möglichkeit des Ausschlafen kann somit auch ausgiebig genossen werden.

Freitag startet zu Mittag. Ziel ist Blankenese. Ein kurzes Aussteigen an der Königstraße entwickelt sich zu einem ausgedehnten Fußmarsch nach Blankenese und gipfelt in einem delikaten Fischbrötchen am Blankeneser Marktplatz. Zurück zu Hause, Umzug für den Abend.

Acht Uhr, wir betreten das Übel & Gefährlich. Egotronic. Beim Eintritt hat die Band schon losgelegt. Ausgelassene Stimmung. Crowd Surfing und Stage Diving ab dem vierten Lied. Spaßguerilla pur. Steigert sich in euphorisches Mitgröllen von Scooter Hymnen. Plötzlich erhält diese Musik die Legitimation dabei Spaß zu haben, welches sie früher nur in der Provinz genoß. Egotronic ist Provinz. Rammstein 2.0. Was will man auch erwarten? Im und aus dem Dunstkreis von Deichkind, die an diesem Abend auch noch folgen werden. Zumindest für die Kiddies in den Neonklamotten, Mülltüten und den komischen Stirnbändern. Ballermann für Daheimgebliebene.

Nach Egotronic ziehe ich alleine weiter in die Große Freiheit. The Dance Inc. Lied drei mal wieder das Ende für mich. Der Laden ist zu diesem Zeitpunkt schon mit Deichkindfans überfüllt die einfach nur Spaß wollen und laut sind. Danke, kein Interesse. Ich kämpfe mich aus dem Club und die Große Freiheit hinunter. Im Laufe des Abends kommt mir das Gerücht zu Ohren, das diese von der Polizei wegen Überfüllung noch abgeriegelt werden musste.

Ich gebe ClickClickDecker und den fliegenden Bauten eine Chance. Die positive Überraschung des Abends. Bestuhlt, heimelig, entspannt. Akustikgeklampfe aus Hamburg mit seichten elektronischen Einflüssen und Texten. Angenehm. Ein Genuß. Die Bierpreise überzogen. Was solls. Die anwesenden Besucher sind hier in der Regel eher nicht Zielpublikum. Anschließen und abschließend wieder zurück ins Übel & Gefährlich. WhoMadeWho. Dänen mit nettem Drive. Ein bisschen wie The Whitest Boy Alive. Nicht ganz so minimalistisch. Aber gut. Ebenso das Publikum und die Stimmung. Es lädt ein zum Verweilen. CSS-DJ-Set noch voll mitgenommen und anschließend dann der Abbruch und Heimweg. 10 km Fußweg und 8 Stunden Unterhaltung fordern ihren Tribut.

Der Samstag beginnt verschallert. Ein relativ schweigsames Frühstück. Anschließend fahren Smidi und ich auf die Schanze. Fußball als Überbrückung. Bis es Abends wieder von vorne beginnt. Der letzte Tag.

Meine Wahl eher ruhig. Ich beginne mit der fantastischen Sophie Hunger in den fliegenden Bauten. Einfach schöne Musik. Anschließend Jose Gonzales in der O2 Arena. Auch fantastisch. Nur diese Geschichte mit der Sponsorarena nervt. Vor dem Konzert noch der Werbetrailer, wie beim Fußball gucken. 70% lauter als die eigentlich interessanteren Inhalte. Nervig und irgendwie verstehe ich auch nicht den Kartenpreis, der mir abgerungen wurde um mich dann schallender Werbung auszusetzen und die Brand mehrmals in den Mund nehmen zu müssen. Enttäuschend.

Zumindest entschädigt Jose hierfür so gut er kann. Auch wenn die Bühnenbeleuchtung in den Farben des Hauptsponsors und seines Co-Sponsors, einem finischen Mobiltelefonproduzenten, gehalten sind. Wieso kann ich dies überhaupt erkennen? Bin ich schon so verseucht?

Nach Gonzales laufe ich die Rückseite der Reeperbahn entlang um im Grünspan Simone White zu bewundern. Wunderschön minimalistisch. So ähnlich muss früher Joan Baez gewesen sein. Zumindest zwingt mir mein Kopf diesen Vergleich auf, auch wenn ich nicht weiß woher er das nimmt.

Als letztes nochmal fliegende Bauten. Phantom/Ghost. Der verlorene Hamburger Schüler, Dirk von Lowtzow singt zum Klavier. Ein gelungener Abschluss. Der Samstag stellte mit Abstand das beste Programm. Das Reeperbahnfestival 09 hat mir so auch dieses Jahr wieder ausdrücklich gut gefallen.

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