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Yuppies in Urbanity

Re:publica 09: Offline ist Punk #rp09

April 3rd, 2009 written by moritz

Ja, es ist peinlich auf einer Bloggerkonferenz nicht fähig zu sein online zu gehen. Leider hab ich derzeit keine UMTS Karte, das WLAN in Berlin war in der Kalkscheune vernünftig, im Friedrichstadtpalast führte am Donnerstag kein Weg ins Netz. Immerhin hat mein Gastgeber Philipp von Skobbler zu Hause ein vernünftiges Netz, so dass die wichtigsten Sachen dort erledigt werden können. Ohne Netz in Vorträgen bestätigt Erfahrungen des Studiums: Wenn man mal keinen Laptop und kein Netz in Reichweite hat, dann kann man den Rednern besser lauschen und folgen.

Leider waren die Vorträge die Vormittags im Friedrichstadtpalast stattfanden nur bedingt interessant. Störend bei jedem der Vorträge war: Beginn bei Null. Hallo?

Die Leute die um mich herum sitzen erwecken nicht den Eindruck als wären sie Mitglieder des Müttergenesungswerk, die bisher noch nie was von Web2.0 gehört haben. Und so wurden meist belanglose Dinge zu Beginn jedes Vortrages erzählt und als es dann interessant werden sollte, war die Zeit des Vortragenden vorbei und der “Shift” verpasst. Höhepunkt des Vormittags war ein Vortrag von Jan Schallaböck, Ralf Bendrath, Hendrik Speck und Markus Ackermann. Thema: “Brauchen wir eine Netiquette in sozialen Netzwerken?” Gut, sie mussten die 30 Minuten hin nehmen, die der vor ihnen vortragende Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung Schramm verursacht hat, aber das ist keine Entschuldigung um falsche Information zu verbreiten (StudiVZ Kopie von MySpace?), (Bertelsmann kaufte StudiVZ?). Haben die Jungs das Datum verwechselt und wollten Aprilscherze landen? Das sie ihren Vortrag, obwohl es eine Konferenz in Berlin und sie der deutschen Sprache mächtig sind, auf Englisch hielten hatte auch mehr einen humoristischen Aspekt, als das es was gebracht hätte. Die Situation gipfelte in der Aussage eines Redners: “We don’t have time for questions.” Lieber Monologe wie man es sonst nur aus der Vorlesung kennt. Wo ist hier der Shift? Es gilt nicht für alle der vier Herren. Herr Speck hat sehr gut über die Sicherheit von dezentrale Social Networks und das Beispiel Hello World gesprochen. Ein dezentrales Netzwerk zur Vermeidung von Datenmissbrauch. Sehr gut. Leider reichte die Zeit nicht aus, für die anschließende Live-Präsentation. Weiter beobachten.

Anschließend erschien ein selbsternannter Videopunk auf der Bühne. Wenn der Herr Punk ist, dann ist Punk wohl tot. Endlich den Slogan der 70er erfüllt: “No Future” Als einzige Aussage bleibt die alte Bloggerweißheit. Schreib was du willst, weil du es kannst und pfeif drauf obs jemanden interessiert. Das blinde Huhn findet das Korn auch nur durchs probieren. Wenn es sitzen bleibt und nix macht kratzt es ab.

“News in Games, Future of Games” war der nächste Vortrag von Julian Klücklich. Interessant, aber nicht wirklich neu. Kernaussage war in etwa: “In der virtuellen Welt der Spiele können wir die Realität simulieren. Oder Ereignisse nachträglich Visualisieren.” Naja, wenns das war, dann frage ich ob man alles Simulieren muss? Und wer will alles visualisieren? Ich kenn ein paar Bücher da bin ich dankbar dafür das es zu der einen oder anderen Szene keine Visualisierung gibt.

Netzwerkökonomie und Innovationen. Collaborative Innovation bestätigte bereits bekanntes. Marx über Worth and Value und die Sternsammlung zum Thema Kapitalismus würden in etwa das gleiche Ergebnis erbringen. Patente und das Eigentum an immateriellen Gütern hindern die Gesellschaft an einer schnelleren technologischen Entwicklung. Jede Kopie die durch ein Patent verhindert wird beschränkt die Kreativität der Gesellschaft. Diese These wurde am Nachmittag von Lawrence Lessig noch deutlich unterstrichen, weniger aus kommerzieller und technologischer Sicht als aus juristischer und kultureller Sicht.

Da am zweiten Tag parallel eine Veranstaltung der Aktion Mensch stattfand begann der Nachmittag in der Kalkscheune für mich mit einer “Vorlesung” Eine Soziologin, die mit Folien in Schriftgröße acht brillierte und auch sonst sehr verwirrt wirkte. Naja, das war nach dem Mittagessen. Vielleicht war die fehlende Aufmerksamkeit auch dem Fresskoma geschuldet, oder der Tatsache das es wieder WLAN gab.

Der nächste Vortrag der mich wieder mehr interessierte war: Open Street Map. Netter Typ, der über Open Street Map gesprochen hat, aber anscheinend ist es meiner Arbeit geschuldet, dass ich zum Thema digitalen Karten, Geoinformationssystemen und geobezogene Inhalte dem Großteil des Auditoriums überlegen bin. Die meisten Leute verstehen den Unterschied zwischen den digitalen Karten und den Applikationen die eben mit diesen Daten arbeiten, wie z.B. GoogleMaps nicht. So war dieses Session immer ein bisschen unter dem Aspekt, das die Zuhörer erwarteten, OSM würde GoogleMaps hinwegfegen. Was grundsätzlich einfach Bullshit ist. GoogleMaps ist eine Applikation. OSM bietet irgendwann die Möglichkeit das die Daten, die bisher von den großen Kartenanbietern kommen durch eben OSM ersetzt werden. Sie stehen nicht in Konkurrenz. Der Vorteil des OSM Konzepts ist die akkuratere Datenbasis, die durch einen größeren Anzahl von Fieldagents erzeugt wird. Kompilierung von Karten einmal pro Monat. Das ist ein Wert der den der existierenden Kartendatenanbieter um den Faktor 14 bzw. vier übersteigt.

Nach diesem Vortrag folgte der lang erwartete und bisher best besuchte Vortrag von Lawrence Lessig.

Sehr guter, amerikanischer Vortragender. Super Thema. Einfach so toller Vortrag das die sinnvollste Empfehlung wirklich das Selbstbetrachten ist. (link folgt sobald host bekannt) P2P Filesharing mit der Prohibition zu vergleichen wirkt auf den ersten Blick wahnsinnig, auf den zweiten wirken die Dinge klarer. Alles was wir als Unrecht erklären erzeugt mutwillig Kriminelle. Wenn wir P2P Filesharing zum Unrecht erklären, dann machen wir unsere Jugend und Kinder zu Kriminellen, Terroristen. Wollen wir das?

Lawrence Lessig war der Höhepunkt und eigentlich auch der Abschluss des Tages. Ich wohnte noch einer Dikussion über Open Source Projekte bei, aber das hat mich dann nicht mehr so wirklich interessiert. Nach einem Abstecher zum Bulletenbrater zeigte mir Philipp noch das Dr. Pong im Prenzlauer Berg. Eberswalder Straße 21. Ein verrückter Laden. Barbesitzer, ein amerikanischer Architekt, der sein Diplom über die vielfältige Nutzung von Gebäuden geschrieben hat. Einen teuflischer Drink im Programm: “Die Hochleistungsgesellschaft” Im Laden Rundlauf, Rundlauf um die Tischtennisplatte, wie früher auf dem Schulhof.

Und das Beste ist, fast alle in dem Laden haben mitgemacht. Durchgeknallt. Aber ein gelungener Abschluss.

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One Response to “Re:publica 09: Offline ist Punk #rp09”

  1. Markus Ackermann

    take a look….

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