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Yuppies in Urbanity

Review: UX Camp Berlin 09 #uxcb09

May 25th, 2009 written by moritz

UX Camp Berlin 2009. Ein Wochenende irgendwo in Berlin, eigentlich ab vom Schuß. Konzentration. Die Organisation spitze. Viele große Räume für Sessions und schnelles WLAN. Dazu gute und großzügige Verpflegung und eine Vielzahl interessanter Teilnehmer. Was will man mehr?

Wieso UX Camp Berlin?

Um diese Frage zu beantworten sollte ich für alle nicht eingeweihten erst erläutern was UX Camp überhaupt bedeutet. UX steht für User Experience und das Camp stellt in bester Barcamptradition ein Camp zum Thema User Experience dar. User Experience im Bereich Software oder Web. Auch wenn ein paar Teilnehmer aus anderen Bereichen anwesend waren lag der Schwerpunkt auf dem Bereich des User Interface Designs, Information Architecture, Usability und Prototype Engineering. Wenn ich diese Wörter ausspreche ergibt sich im Gegensatz zu der einleitenden Frage eher die Folgefrage: “Was will ich dort?”

Als ehrliche Antwort kann ich nur sagen: Input.

Leider wurde dieses Ziel nicht erfüllt. Dennoch reichen die Sachen die ich erfahren habe zumindest dazu ein Fazit zu geben.

Ich bereue nichts. Ich hatte viele nette und informative Gespräche. Ich traf Freunde, ehemalige Kommilitonen und Bekannte von früheren Barcamps. Als Veranstaltungsort wurde das Erwin-Schrödinger-Zentrum Adlershof gewählt. Das Erwin-Schrödiger-Zentrum ist Teil der HU Berlin und wird von dieser mit “Kernstück des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Campus” bezeichnet. Eine schöne Anlage, aber leider etwas weit draußen von meinen Gastgebern Philipp und Andi aus. Begonnen hat es am Freitag Abend am Prenzl, mit einer kleinen Warm-Up Party im St. Oberholz.

Warm-Up Freitag

Das Warm-Up war freundlich, unkompliziert und kurzweilig. Auch wenn sich schon zu diesem Zeitpunkt meine Vorurteile gegen Berlin bestätigten. Der erstbeste Berliner Teilnehmer band mir gleich auf die Nase, dass er zur digitalen Boheme gehört und eigentlich gar nicht arbeitet, aber irgendwie dann doch den ganzen Tag und die Nacht, aber auch soziale Kontakte hat. Die trifft er dann ab und zu, irgendwie eigentlich ständig. Contacts, Followern und Followings sitzen dann zusammen und man twittert und statust über die Sachen die man gerade erlebt. Dit is also die digitale Szene Berlins. “Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein.” sagten einst Tocotronic. Ich bräuchte jetzt den chronologisch nächsten Lebensabschnitt um die Bewegung zu titulieren. Apfelnazis vielleicht?

Das passt zwar vom Übergang nicht ganz, aber auch hier brachte der Freitag erstaunliches hervor. Ich möchte hierzu allerdings nochmal daran erinnern, dass es sich um eine User Experience und Usability Veranstaltung handelte. Also ein Camp in dem die Teilnehmer die Benutzbarkeit von Anwendungen und Geräten diskutieren wollen. Am Freitag Abend wurden Emra und ich Zeuge einer kuriosen Unterhaltung zweier Iphon-Anhänger.

“Ich hab mir die XYZ-Applikation auf meinem iPhone installiert. Saugeil, kennst du die?”

“Ja, ich habe sie mir runtergeladen und versucht zu installieren. Aber irgendwie läuft sie nicht. –
Hm, da hab ich dann wohl was falsch gemacht!”

Bitte?

“Da hab ich dann wohl was falsch gemacht?”

In einer Veranstaltung in der man über das Thema Benutzbarkeit sprechen will schon zu Einleitung solche Worte? Vielleicht war das auch der Startpunkt zu dem ich feststellte, das Camp wird etwas am Thema vorbeischiesen. Es gibt kein Gerät und keine Anwendung, deren nicht Funktionsfähigkeit dem Nutzer angelastet werden kann. Wenn der Nutzer das Gerät oder die Applikation nicht versteht zu bedienen, war es schlecht designed oder schlecht gemacht.

Das sollte doch eigentlich das Ziel all unserer technischen Erungenschaften und Entwicklungen sein: Technologie allen zugänglich zu machen. Allen ermöglichen Alles zu tun. Kreativ zu sein und ihnen das Leben erleichtern. Es ist an der Zeit, die Technologie vollständig aus dem Griff der Geeks und Nerds zu befreien. Es ist toll, wenn ihr (vielleicht auch ich) das können, a-b-e-r, der wirkliche und einzige Wert ist erst erreicht, wenn es alle können. Es gibt keinen DAU es gibt nur schlechtes Design.

Samstag, Tag 1

Am Samstag begann der morgen klassisch. Rechtzeitig zur Vorstellungsrunde bin ich dort eingetrudelt und habe mich brav mit meinen drei Tags: “Navigation, Mobile, Sales” dem Publikum vorgestellt. Anschließend wurden kurz die Sponsoren gewürdigt und dann begann die Sessionvorstellung und Planung. Die erste Session die ich besuchte drehte sich um das Thema: Besuchte Hyperlinks – Theorie vs. Praxis War keine schlechte Session, aber irgendwie fehlte der zündende Moment. Es gab im Auditorium keinen Konsens über die Notwendigkeit, noch die wirklichen Vorteile von markierten, besuchten Hyperlinks. Diese Session kann man vielleicht am besten mit den Worten zusammenfassen: Jeder macht es irgendwie oder halt nicht. Verbindliche Richtlinien gibt es nicht und ob best-practice irgendwann zu einem Ergebnis führen wird, das dann zu einem Standard führt, bleibt abzusehen.

Als zweites besuchte ich die Session: KISS-Prinzip angewendet bei Doodle. Cool, cool, cool. Nicht nur die Plattform von Doodle, sondern auch die Vorstellung von Retro Lämmler, seines Zeichens Schweizer und Mitarbeiter bei Doodle. KISS steht für: Keep it Simple, Stupid. Sauber. Das Doodle das mit Abstand einfachst zu nutzende Tool ist um Termine mit anderen zu vereinbaren ist, habe ich selbst schon oft festgestellt. Das dieses Prinzip aber weiter ausgebaut wird und von Zeit zu Zeit über die Abschaffung von Features gesprochen wird, oder diese wirklich gekillt werden ist in dieser Konsequenz vermutlich einzigartig. Keine Anmeldung, nur das Nötigste und Wichtigste wird erfasst. That’s it. Zur Erstellung dieses Termins habe ich keine Minute gebraucht.

Das war dann eigentlich auch die letzte Session für diesen Tag. Abschließend ging ich noch auf die Verlosung der Blackberry Storms durch Vodafone. Wider Erwarten habe ich nichts gewonnen.

Abends gab es noch ein bisschen Party in der Kohlequelle. Aber ich kam spät und ging früh, sprich ich war nur kurz dort, in der Zeit aber auch gut unterhalten und ein paar nette Leute kennen gelernt.

Sonntag, Tag 2

Sonntag morgen pünktlich zum Start angereist und folgende Veranstaltungen beigewohnt. Mobile Commerce war schlecht und langweilig. Zwanghafter Versuch Vorteile, Nachteile und Eigenheiten des M-Commerce zu definieren die Ergebnisse können hier begutachtet werden. Ich habe nach einer Viertelstunde den Raum verlassen.

Anschließend unterhielt Willi Schroll, dessen Vortrag ich auf dem Mobile Camp Dresden noch sehr geschätzt habe zum Thema: Why Twitter #Matters and How. Das war nix. Buzzword an Buzzword. Twitter als Maßstab und Ursache aller zukünftigen Veränderungen des Netzes. Ja, Twitter ist verdammt einfach zu benutzen. Ja, Twitter ist schnell. Ja, Twitter ist nicht schlecht. ABER: Twitter macht das Leben nichts besser. Twitter ist ein tolles Werkzeug für eine eingeschworene Gruppe von Leuten. Allen anderen geht Twitter sonstwo vorbei. Niemand der nicht twittert versäumt irgendwas.

Der obligatorischen Twittersession folgte dann wieder mal eine Session aus dem Dunstkreis Usability: GUI 1.0, WEB 3.0. Der Leiter der Session, Sven Guckes war eine Show. Er hackte die ganze Zeit auf seiner Terminal Software rum und huldigte der Vergangenheit als neue Zukunft. Hierzu möchte ich eigentlich nicht viel mehr sagen, als ich in der Abhandlung über die Warm-up Party gesagt habe. Wir brauchen Technologie für Alle und Jeden. Die Kommandozeile hat ausgedient. Der einzige Punkt in dem ich zustimmen kann ist: Ja, wir brauchen die Kommandos der Shell zur Realisierung von API Anwendungen. Ich selbst will aber nicht mehr kryptisch auf der Shell rum hacken um von A nach B zu kommen.

Die letzte Session für mich war noch zum Thema: Schlechte Usability: Beispiele aus der Praxis. Da gibt es viele. Aber so richtig definieren konnte auch keiner, was wirklich schlecht ist.

Es bleibt mein Fazit:

Es gibt keine gute und keine schlechte Usability im generellen. Es gibt Sachen die ich gut benutzen kann. Es gibt für jeden Sachen die er oder sie gut benutzen kann. That’s it. Die Vielfältigkeit der Individuen kann in Zukunft zu einer weiteren Diversifikation der Angebote führen. Bis jedes Individuum für all sein Tun, die ihm am besten gefallende und seinen Ansprüchen entsprechende Bedienung gefunden hat. Für Entwickler von Nutzgegenständen bleibt hier nur eine Möglichkeit:

Schnittstellen öffnen, damit jeder seine Art der Benutzung seinem Leben anpassen kann und nicht sein Leben der Art der Benutzung anpassen muss.

2 Responses to “Review: UX Camp Berlin 09 #uxcb09”

  1. mosworld

    Nice! Schöner Bericht; die Erfahrungen habe ich genau so gemacht :-) auch die Sessions bewertte ich mehr und weniger genau so. Top kann mir einen Bericht jetzt sparen :-)

    mosworld

  2. Störteblogger: Hamburg Bloggertreffen mit Zukunft | Lonely People Talk A Lot

    [...] ich von Markus beim UXCamp Berlin schon darauf angesprochen wurde, dass sich was bewegt in der Hanse und ein Bloggertreffen geplant [...]

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