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Scheiße, Wahlen in Hamburg

February 16th, 2011 written by moritz

Dass ich 20 Stimmen als einen der Ursprünge des Konsens sehe, habe ich bereits erwähnt. Nächsten Sonntag, den 20. Februar sind Wahlen zur Bürgschaft hier in Hamburg und ich weiß beim besten Willen nicht, wo ich meine Kreuze machen soll. Nichts spricht mich an, keine Partei interessiert sich für mich, noch ich mich für sie.

Bleibt der Versuch das Pferd von hinten aufzuzäumen: “Lieber Moritz, wenn du freie Hand hättest in Hamburg Politik zu machen, was würdest du ändern?”, “…-äh-…“.

Verdammt, wo bin ich geendet?
Ich hielt mich immer für politisch interessiert, für motiviert und dachte ich hätte eine eigene Meinung.
Bin ich einer der “glücklichen Sklaven” und somit Feind der Freiheit?
Liebe Ägypter, wisst ihr überhaupt für was ihr auf die Straße gegangen seit?
Könnt ihr euch vorstellen wie hart es ist, freie Wahlen zu haben, sich aber nicht entscheiden zu können?
Ich wünsche euch einen politische Landschaft die sich nicht dem Konsens hingibt: Die wirkliche Wahlmöglichkeiten stellt.

Brauche ich den Wahlomat?
Ich will ihn nicht brauchen. Wozu brauch ich eine Maschine, die mir die verklausulierten Aussagen der Politik wieder in eine mir einfach verständliche Sprache übersetzt? Bin ich vielleicht einfach nur doof und nicht schlau genug die Absichten der zur Wahl stehenden zu erkennen?

Ich resigniere.

Ok, ein paar Punkte fallen mir dann doch ein.
Ja, ich bin für die Stadtbahn von der Kellinghusenstraße zum Rathaus. Wer morgentlich oder abendlich den Bus auf dieser Strecke genutzt hat kann ein Lied vom ständigen Geruckel und den Verspätungen singen.

Ich bin gegen das Kohlekraftwerk und für stärken Einsatz zur Reduzierung der Energieverschwendung in allen Belangen des Verantwortungsbereichs der Stadt. Stadteigene Gebäude müssen alle mit großtmöglichem Einsatz isoliert und restauriert werden. Dies stellt zwar erstmals eine Investition dar, diese refinanziert sich durch senkende Kosten dann nach und nach. Gleiche Möglichkeiten sollten auch den Bürger/innen gegeben werden. Wer nicht Maßnahmen zur Einsparung von Energie ergreifen will, den holt am Ende des Tages die Realität in Form der Strom- und Heizkostenrechnung ganz von selbst ein. Man könnte z.B. ein Finanzierungsmodell der folgenden Art verfolgen. Die Stadt gibt den Bürgern ein zinsfreies (von mir aus auch niedriger Zins) Darlehen und die Rückzahlungsraten berechnen sich aus dem Delta der eingesparten Energie. Sprich, der/die Bürger/in zahlt monatlich weiterhin den gleichen Betrag an die Stadt, welchen er in der Vergangenheit an seine Energieversorger abgetreten hat und die Stadt zahlt an den Energieversorger ihrer Wahl nur die tatsächlich verbrauchte Energiemenge.

Ok, zwei Punkte gemacht, ich kann mir langsam schon vorstellen in welche Richtung meine Wahl gehen muss. Man kann seinen eigenen Ursprung auch schlecht verleugnen.

Desweiteren bin ich für freies Netz für alle. Ich möchte, dass die Stadt Hamburg allen Bürgern/innen einen Breitbandanschluss zur Verfügung stellt, damit jeder die Möglichkeit und den Zugang zum Netz und somit zu Information hat. Dieser Zugang soll frei und und unüberwacht sein.

Und ja, auch ich möchte mehr Wohnraum in Hamburg und nicht mehr diesen horenden Miet- und Vermittlungspreisen aufsitzen müssen. Weshalb können gewerbliche Immobilien nicht schneller zu Wohnimmobilien umgewandelt werden? Warum zahle ich für die Vermittlung durch Makler eine Courtage, obwohl die ganze Arbeit doch an mir hängen bleibt?

Auch bin ich gegen die großen Einsparungen im kulturellen Bereich. Wir brauchen diese Räume und Veranstaltungen um aus der Tristesse des Alltags ausbrechen zu können. Als Räume, in denen man einfach den Geist durchhängen lassen kann um auf andere Gedanken zu kommen. Da diese Kulturgüter jedoch so stark subventioniert sind, sollte man sich überlegen ob man ein zweigeteiltes Eintrittsgeld nimmt. Einmal für Hamburger, die den Unterhalt schon in Form ihres Steuerbeitrages zahlen und einmal für Nicht-Hamburger, die eben diesen steuerlichen Beitrag nicht bringen. Ausserdem wäre eine Ausweitung der Mitbestimmung über zukünftige Programme für kulturelle Einrichtungen zu Befürworten. Ich sage ja zu Kultur in Hamburg.

Ich möchte einen Stadtpark, der befreit ist von Einweggrills und den zurückbleibendem Schachbrettmuster der eingebrannten Böden, daher fordere ich: Verbot von Einweggrills.

Und ja, das war es. Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Vielleicht verschließe ich die Augen vor den großen Problemen Hamburgs, vor den großen Problemen der Welt. Doch leider muss ich sagen: Das sind nicht meine Probleme. Ich kenne diese Probleme nur aus der Zeitung oder aus stammtisch-ähnlichen Diskussionen in denen irgendwelche Leute auch nur phrasenhaft die Aussagen wiederholen, die sie in irgendwelchen Zeitungen oder Fernsehsendungen gesehen haben: Arbeitslosigkeit, Migrationsproblematik, Schuldendruck, Bildungsmisere, Rentenkollaps, Gesundheitreform, Islamisums, Wetten daß…?,…

Ja, ich befürchte, ich bin einer der von Michael Seemann skizzierten. Erwartet von mir keine Revolution, ich gehe am Sonntag einfach nur wählen.

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