Der Artikel zum 25. Jubiläum der privaten Fernsehsender liest sich noch einigermaßen vernünftig. Eigentlich ziemlich kurz und lahm. Von der Art her näher an einem Kalerndervermerk als an einem Zeitungsartikel (Bauchgefühl). Aber was dann als Beitexte zu der beigefügten Bilderserie zu lesen ist haut mich dann doch ziemlich von den Socken.
Bild 4 Tutti-Frutti: “…den Schmuddelsex unbedarft herumhoppelnder Schulabbrecherinnen..”
Bild 5 Mini Playback Show: “…die Blagen karrieregeiler Problemfamilien als Perverser- Onkel-Traum lolitaesk bemalt…”
Regelrechte Hasstiraden auf alle und alles was im Privatfernsehen gezeigt wird. Mit Ausnahme vielleicht von Harald Schmidt, der als: “…das Witzigste, Aufregendste, Klügste und dabei (All)Täglichste, was Fernsehen in Deutschland je zu bieten hatt…” gelobt wird.
Was soll das? Ich bin definitiv kein Fan des Fernsehens, kein Fan des Privatfernsehens und erst recht kein Fan der dort gesendeten Formate. Dennoch halte ich mich zurück Menschen, die Fans dieser Sendungen und Sender sind zu beschimpfen und denunzieren. Was bezweckt der Spiegel mit diesen Äußerungen? Will er ins linke, intellektuelle Lager und dort die Meinung der sogenannten Bildungsbürger reflektieren? Dann ist dieses Gewäsch mehr als lächerlich.
Man sehe sich die Seite von Spiegel online an: Es vergeht kaum ein Tag an dem nicht mindestens zwei oder drei Themen zu einem Format des Privatfernsehens gesetzt sind. Nicht nur zu den Formaten, selbst die sogenannten Stars der privaten Castingsshows haben regelmäßig ihren Auftritt. Ich nenne dieses Verhalten der Spiegel Redaktion Quoten- bzw. Clickhascherei. Als wichtigstes Online-Medium Deutschland scheint es mir als hätten sie einen Unterschied zwischen ihnen und dem Medium Fernsehen nicht verstanden: Fernsehen kann ein Gemeinschaftserlebnis sein. Und Fernsehen als Gemeinschaftserlebnis kann selbst Trash zum sozialisierenden Element machen.
Wenn der Spiegel schon so auf die Kunden des Privatfernsehens herabsieht: Was macht Spiegel TV Sonntag Abend in genau diesesen Kanälen. Der Spiegel ist ein privates Medium keine Frage. In dieser Funktion stellt er die Meinung seiner Redaktion dar. Sein Verhalten gleicht allerdings eher dem eines Fahrradfahrers: “Nach oben Buckeln, nach unten Treten.”
Sein Erfolg sollte die Quantität der Kunden sein. Die Qualität der Kunden ist ein mutwillig eingeführter Faktor, der im Grunde menschenverachtend ist. Wenn dieses Magazin meint sich und seine Leserschaft über den Rest der Gesellschaft stellen zu können kommen mir unweigerlich Assoziationen wohin das führt: Zur Herrenrasse. Als seriöses Magazin sollte der Spiegel versuchen alle Mitmenschen zu erreichen.