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Spontan ist das neue Geplant

March 6th, 2010 written by moritz

War für Donnerstag als abendliche Freizeitgestaltung die Ignite in Hamburg erschienen, war es am Freitag das 7Live Magazin im Kunstverein Hamburg. Was haben die beiden Veranstaltungen miteinander zu tun? In erster Linie gar nix. Einzig das Konzept der beiden Veranstaltungen war vergleichbar. Beim einen 20 Folien zu je 20 Sekunden als Präsentation. Die Vortragenden Vorbereitet und mit den Inhalten vertraut, dennoch sollte eine gewisse Spontanität und Leichtigkeit mit transportiert werden. Auch wenn es die Dank vorheriger Anmeldung und der Vorbereitung der Präsentationen gar nicht geben konnte. Ein ausführlicher und guter Post mit Bildern zur Ignite steht beim Stilpiraten. Beim anderen, pro Artikel 7 Minuten. Dies wurde dann meist spontan überzogen oder durch spontane Aussetzer der Technik zunichte gemacht. Angekündigt als Show a la “Wetten dass…?” stellte die Moderation und Durchführung mich regelmäßig auf eine harte Geduldsprobe. Was ist eigentlich mit der anfänglich angekündigten Saalwette passiert? Die Ignite, spritzig, vielfältig in den Themen und kurzweilig. 7Live altbacken, konservativ, mehr arty als spritzig. Der Inhalt der Show lahm wie die meisten mir bekannten Live-Style und Lebensmagazine. Ein bisschen Gesellschaft und das Leben der Anderen, ein bisschen Mode, ein bisschen Musik, ein bisschen Ernährung und nicht zu Letzt ein bisschen Sex. Leider sind gute Journalisten nicht gleich gute Showmaster und so tröpfelte die Veranstaltung eher so dahin. Abschließend wurde noch der Gute Seiten Preis verliehen, an das Berliner Magazin: Der Wedding, aber das wars dann auch schon.

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Was ist mir sonst aufgefallen. Wahnsinnig wenig Hamburger auf Seiten der Veranstalter. Der eine oder die andere kommt vielleicht mittlerweile aus Hamburg ansonst aber alles Zugereiste (wie man in meinem Herkunftsbundesland Bayern sagen würde). Wieso? Wo zur Hölle sind die alteingesessenen Hamburger? Die sogenannten Hanseaten? Verfangen im Geflecht der herrschenden Ordnung? Gefangen im Untermilieu? Ist am Ende der Marketingspruch der Hamburg AGs: “Die schönste Stadt der Welt.” alles was Hamburg ausmacht? Die Suche nach meiner Definition von Hamburg hat eben erst begonnen.

2 Responses to “Spontan ist das neue Geplant”

  1. Kixka Nebraska

    Nach meinem Eindruck bestand das Hauptproblem darin, dass das Selbstverständnis der Akteure eines als “Künstler” ist – und damit natürlich nicht vereinbar mit nur sieben Minuten Auftritt, wo nach Selbsteinschätzung vermutlich eher eine halbe Stunde angebracht gewesen hätte (und das Publikum in den meisten Fällen für ein Ende nach fünf Minuten dankbar gewesen wäre)

    So wurde es in der Tat ein wenig zäh und weder die Versprechen noch die daraus resultierenden hohen Erwartungen konnten ganz eingelöst werden.

    Am besten hat mir Nicolette Scharpenbergs “Hamburg City Cycle Chic” gefallen. Auch wenn die Bühne für ihre Performance zu klein war und auch sie überzogen hat, aber die Umsetzung war sehr gelungen und passte zu dem Format und der Absicht des Abends “Kein Papier, kein Online-Content, kein Abo – dieses Magazin existiert nur für eine Nacht, nur an diesem Ort!”

    Deinen “Keine Hamburger vor Ort” Eindruck kann ich allerdings so nicht teilen. Ich habe jede Menge wiedererkannt …

    PS: Die lobenden Anerkennungen für das “Jungsheft”, das “Schnitzel” und “Edit” sind durchaus der Erwähnung wert. Sehr lesenswert, alle drei. Das Bewertungskriterium der Jury, der “Sofalümmelwunsch” gefiel mir im Übrigen auch sehr gut.

  2. moritz

    Das mit dem eigenen Selbstverständnis der Künstler erscheint durchaus nachvollziehbar, wobei genau da der Hase im Pfeffer liegt. Selbst zu definieren, wie viel Zeit man benötigt um sich selbst oder sein Tun darzustellen ist etwas kompliziert. Daher striktere Vorgaben. 7 Minuten. Basta.
    Schaff es oder lass es. Die ersten Vortragenden hielten sich noch mehr oder weniger daran.

    Witzig. Genau diese Geschichte mit “Hamburg City Cycle Chic” (trotz genialer Alliteration, [Chemnitz würde noch besser klingen]) ließ die Veranstaltung zum Prototypen eines Lifestylemagazins verkommen. Ich kann diese Bildserien schon im Magazin nicht ab, wo ein neuer Hype ausgerufen wird, dies mit Hilfe einer Bildserie visualisiert wird. Das Model Uschi trägt eine Tasche von “xyz”, einen Schal von “abc”, und das Oberteil von “Michi Maus”. Das ganze in Kombination mit Single Speed Fahrrad. Es ist ein Fahrrad, nicht mehr oder weniger. Verklärung zum Statussymbol, neben Haus, Frau/Mann und Auto. Die Kleidung schaut an mir eh nie so aus, wie auf den Fotostrecken, vielleicht liegt es am fehlenden Photoshop? Am eigenen Widerstand? Ich wähle meine Kleidung und mein Fahrrad nicht an Hand irgendwelcher redaktioneller Werbung. Und Fahrrad fahr ich nicht um cool zu sein oder werden, sondern um unabhängig und unkompliziert von A nach B zu kommen. Ja, genau dieser Teil des Abendprogramms hat mich rausgeworfen.
    Um noch eine Sache lobend zu erwähnen: Hans Dampf’s Vortrag hatte für mich noch den innovativsten Ansatz, mit dem Verteilen von Salzproben auf Papierseiten. Eine Art Spezialdruck. Den Bogen von Live zu Magazin zurückgespannt. Das fand ich wirklich gut und erinnerte mich an den Vortrag auf der blatt contemporary magazines, über Vertriebsmöglichkeiten für Magazine im Jahr 2010. Konkret: Sonderdrucke. Salz auf Papier, erleben mit allen Sinnen. Gut gemacht.

    Auch die Ausführung des Sammlers alter Tonaufzeichnungen fand ich gut.

    Aber leider alles etwas langatmig. Auch das Publikum machte nicht ausschließlich einen unterhaltenen Eindruck. Ständig hohe Fluktuation und am Ende leerte sich der Raum schlagartig.

    Das mit den Hamburgern, bzw. den fehlenden Hamburgern war eher mein Eindruck aus beiden Veranstaltungen zusammen. Ignite und 7Live. Viele der Protagnoisten waren keine Urhamburger. Was ich nicht als störend empfinde, aber irgendwie überraschend ist. Es läge die These nahe: Veränderung durch Zuzug. Kann eine Stadtbevölkerung aus sich selbst weniger Inhalt oder Neues produzieren, wenn es keinen Zuzug gibt? Müssen die Verhältnisse in der Stadt von Externen neu vermessen werden? Ich finde das gar nicht sonderlich schlimm, sondern einfach nur etwas verwunderlich.
    Bezüglich der Magazine, sicher war das eine oder andere interessante und lesenswerte Magazin unter den Ausgewählten, Ausgestellten und Prämierten jedoch muss ich der Einleitung der Moderatoren und der Jury beipflichten: Die angenehmste Art ein Magazin zu lesen ist entweder auf dem Sofa oder auf dem Klo. Zug find ich auch noch gut, aber so im stehen mit vielen Leuten in einem engen Raum, da kann ich es nicht.

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