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Yuppies in Urbanity

Vier Tage Ischgl, vier Tage Powder

February 22nd, 2014 written by moritz

Das Internet bringt gar nix, wenn man es nicht zu bedienen weiß. Denn eigentlich hätte ich die passende Ausrüstung, die für eine mehrtägige Übernachtung auf einer Alpenvereinshütte notwendig ist, durch geschickte Recherche locker rausfinden können. Dann hätte ich nicht eine riesen Reisetasche mit dem Skidoo auf und von der Heidelberger Hütte transportieren lassen müssen. Denn dort braucht man außer einem Hüttenschlafsack, Wechselunterwäsche, einem Alltagsoutfit, einem Handtuch und absolut rudimentärem Toilettenartikeln gar nichts. Und das hätte auch in einen kleinen 25 Liter Rucksack gepasst. In die Skiklamotte schmeißt man sich eh schon auf dem Parkplatz in Ischgl, die Anreise erfolgt über Lifte und Abfahrten des Skigebiets und wenn man Abends gegen fünf auf der Hütte eintrifft, kann man sie nicht mehr verlassen.

Heidelberger Hütte

Traumhaft schön liegt die Hütte am Ende eines sieben Kilometer langen Trails, der einen morgens in das Skigebiet bringt und auf dem man sich abends von Skidoos zur Hütte ziehen lassen kann. Die Zimmer in der Hütte sind mit dem notwendigsten ausgestattet und wir teilten uns unser “Lager” mit fünf Schwaben. Da die Hütte bewirtet ist, gab es als Halbpension ein dreigängiges, warmes Abendessen mit Nachschlag, sowie jeden Tag ein üppiges Frühstück, das darauf ausgelegt war, sich Stullen für den Tag zu schmieren. Da wir unseren Fokus auf den Abfahrtslauf gelegt haben, ließen wir diese Möglichkeit im Gegensatz zu den ganzen Tourengängern ungenutzt.

Zufahrt Heidelberger Hütte

Ischgl

Wir hatten richtig viel Glück mit dem Wichtigsten beim Skifahren im alpinen Umfeld, denn das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Am Anreisetag Kaiserwetter mit angenehmen Temperaturen. Nur oben auf den Gipfeln um die 3.000 Metern wehte ein eisiger Wind, so dass sich die Bergbahnen gezwungen sahen, einige Lifte abzuschalten, so dass wir leider nicht die Möglichkeit nutzen konnten über den Gipfel des Piz Val Gronda direkt zur Heidelberger Hütte abzufahren, sondern stattdessen hinter dem Skidoo gezogen wurden.

Kaiserwetter Ischgl

 

Philipp hinterm Skidoo

Der zweite Tag war von starkem Schneefall gekennzeichnet. Oberhalb von 2.000 Metern hing alles in den Wolken und man sah zum Teil die Hand vor Augen nicht mehr. Da es aber schon in der Nacht konstant zu schneien begonnen hatte, konnten wir den Neuschnee für erste Experimente im Powder nutzen und Abfahrten abseits der Pisten genießen. Aufgrund der eingeschränkten Sicht war auch am zweiten Tag die Abfahrt zur Unterkunft unmöglich.

Startposition Tiefschnee

Der dritte Tag war nach Aussage meiner Begleiter der beste Skitag, den sie je erlebt haben. Am morgen dauerte die Anreise über den bereits erwähnten Ziehweg 15 Minuten länger als sonst, da wir uns mit Abfahrtsski den Weg durch den ungespurten Neuschnee kämpfen mussten. Bei unserer Ankunft im eigentlichen Gebiet wurden wir mit feinsten Bedingungen belohnt. Kaiserwetter und Neuschnee. Den Tag verbrachten wir zu 95 Prozent abseits der Piste im Pulverschnee. Der Powder stob uns bis zur Brust und wir konnten eine Querpassage vom Piz val Gronda zur Gampenalp über knapp 1.000 Höhenmeter realisieren. Da wir vom Piz val Gronda leider keine Spuren Richtung Heidelberger Hütte sahen und gegen Abend die Sicht schlechter wurde, mussten wir auch an unserem letzten Abend auf der Hütte auf die Abfahrt verzichten.

jungfräuliches Ischgl

Gradwanderer

Zufahrt zur Abfahrt

Am letzten Tag brachen wir wie gehabt früh um acht auf und waren die ersten Personen, die von der Bodenalpe ins Skigebiet fuhren. Jungfräulich präparierte Pisten lagen vor uns und die ersten Stunden heizten wir ausschließlich über ausgezeichnetes Gelände. Nachmittags dann allerdings wieder abseits der Pisten. Das führte allerdings zu einer enormen Verkürzung des Skitages. Oben am Palinkopf entdeckten wir die Möglichkeit in einen unberührten Steilhang mit ca 45 Grad Gefälle einzufahren. Nach kurzer Diskussion bin ich in den Hang eingesprungen, doch leider deckte der dort liegende Neuschnee die darunter liegenden Steine und das Geröll nur ungenügend ab. Daher war nach 30 Metern Schluss mit der Abfahrt und ich verabschiedete mich mit einem Köpfer von einem Ski und stürzte. Persönlich zog ich keinerlei Schmerzen oder Verletzungen davon und der Sturz war auch nicht sonderlich schlimm. Einzig ein Ski fehlte. Nachdem wir zusammen eine halbe Stunde den halben Hang umgegraben hatten, mussten wir aufgeben und ich machte mich mit nur einem Ski auf den Weg zurück zur Idalpe.

Somit war der letzte Skitag unfreiwillig vorzeitig beendet. Immerhin stellte sich die Entscheidung für eine Versicherung auf die Leihski als richtig heraus: Der verlorene Ski zog keine weiteren finanziellen Konsequenzen für mich nach sich. Alles in allem waren die vier Tage im Schnee ein absolutes Highlight meiner bisherigen Skireisen und im Bezug aufs Freeriden bin ich jetzt richtig angespitzt. Und irgendwann muss ich auf die Heidelberger Hütte zurück, um die Abfahrt vom Piz val Gronda mindestens einmal zu machen

One Response to “Vier Tage Ischgl, vier Tage Powder”

  1. Greg

    Can’t believe there is a issue that has eclipsed day-to-day Kardashian brunch reviews. “Ermagerd, Ebola, we’re all gonna die!” The quantity of narrow-minded people on earth is unbelievable.

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