Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

We call it SchamhaarEfeu

July 15th, 2009 written by moritz

Die Zeit hat im Wissenteil der letzten Woche über Intimrasuren geschrieben. Über den Fakt, dass sich 13-jährige Mädchen nicht ins Freibad trauen, ohne sich zuvor Beine und sonstige haarige Stellen zu rasieren, obwohl sie sich ihrer Sexualität nur teilweise bewußt wären. 13-jährige Jungs kotzen rum wie die Großen: “Assi, Weiber müssen rasiert sein.” Die Werbung hat funktioniert. Dazu fällt mir nur der alte, aber geniale Song der Tocotronic-Jungs ein:

DIGITAL IST BESSER

“Auf der Strasse denken Leute:
Wie sieht der denn aus ?
Daß so Leute doof sind
setz ich als bekannt voraus

In einer Gesellschaft
in der man bunte Uhren trägt…”

In der digitalen Gesellschaft, in der ich die Möglichkeit habe, mein Abbild im Netz zu erschaffen, wie immer es mir gefällt, jegliche Realität zu verleugnen: Werden wir so zum besseren Menschen? Oder doch nur zu einem Abziehbild des Zeitgeistes? Wo bleibt die vielgelobte Individualität, wenn ich mein Aussehen schon dem Mainstream anzupassen habe um nicht sofort als unstylisch, als uninteressant, als Depp abgestempelt zu werden? Klar, die Grundzüge der Körperpflege sind mir bewußt und dies ist auch ein Punkt auf den ich selbst bei anderen Wert lege. Einfach nicht unangenehm sein. Aber selbst die Gepflegten, die Glatten, die Mainstreamer können unangenehm werden. Nicht auf Grund ihrer Äusserlichkeit, sondern auf Grund ihrer Aussagen, ihrer Ansichten, ihrer Hinterhältigkeit und Unehrlichkeit. Wer ist nun besser? Die unrasierte, raue Person, die in keinster Weise dem Mainstream entspricht oder die rasierte, glatte Persönlichkeit, die glänzt und im Sonnenlicht schillert? Kann es jemand beantworten?

Mit wem gibst du dich lieber ab? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich im ersten Anlauf auch lieber auf die rasierte, glatte Persönlichkeit zugehe. Mich dem Glanz hingebe und hoffe das etwas des Abstrahlenden Sonnenlichtes auf mich übergeht. Doch auf welcher Grundlage?

Weil es normal erscheint. Weil es Zeitgeist ist. Mainstream. Weil die überwiegende Mehrheit der Menschen um uns herum so aussieht. Vielleicht auch weil wir alle narzistisch sind. Dank Spiegel sind wir selbst die Person, die wir am häufigsten zu Gesicht bekommen. Ich kann mich an irgendeinen Artikel erinnern in dem ich gelesen habe, dass wir unseren Menschenbild stark danach ausrichten, je nachdem ob wir uns gefallen, oder ob wir uns nicht gefallen, wähle ich den entsprechenden Menschenschlag der mir lieber ist.(Also Ich-ähnlich oder Nicht-ich-ähnlich) Zumindest in erster Instanz. Dieses Bild beginnt zu brökeln, der Einfluss der Breitbandmedien, die ein Personenbild an die Wand werfen, welches den meisten Menschen zu gefallen scheint ist aus Geltungsgründen durchaus zu rechtfertigen. Den weiteren Einfluss, der sich daraus ergibt untergräbt die Individualität des Einzelnen. Wenn ich mir sage: “Sehe ich so aus, dann gefalle ich vielen Menschen.” und mit mir viele Andere diese Einstellung teilen, dann sehen wir am Ende alle so aus. Zumindest alle, die nicht stark genug sind, sich ihre Individualität zu bewahren.

Aus diesem Grund und auf die Gefahr hin, einen neuen Mainstreamtrend zu definieren proklamiere ich heute einen neuen Trend:

Das SchamhaarEfeu

scharmhaarefeu

Das SchamhaarEfeu wird SchamhaarEfeu geannt, da es sein Vorbild in der Natur des Efeus hat. Wie die Pflanze ist es ein Klettergewächs. Das menschliche SchamhaarEfeu ist chauvinistisch veranlagt und bevorzugt den Männlichen Körper, auf Grund der Eiweißmoleküle entsprechender Hormone. Es entsteht um die Wurzel und beginnt dann, die sich ihm bietende Wand empor zu steigen, selbst Überhänge stellen für das SchamhaarEfeu keinerlei Probleme dar. Es ist immergrün oder immerschwarz oder immerblond, sprich, die Farbe ändert sich erst im sehr hohen Alter, nachdem alle anderen Gewächse auf dem Körper bereits kurz vor der Verwesung stehen oder nicht mehr vorhanden sind. Im Extremfall kann das SchamhaarEfeu den Sprung über die Schulter schaffen und sich auf dem Rücken fortsetzten.
Die Symbolik des SchamhaarEfeu steht für Stärke und Männlichkeit.
Die Entfernung des SchamhaarEfeus durch Rasur, Wachs oder Ähnlichem führt zu einer stärkeren Ausprügung des Blattes. Neueste Studien über den Einsatz von Laserbehandlungen geben zwar Hoffnung auf eine Verlangsamung des Wachstums, jedoch kann dieses nicht vollständig gebremst werden.

Noch wird über den Sinn des SchamhaarEfeus gestritten. Aber bisher kann man diesem nichts entgegensetzten. Deshalb wird empfohlen, dies zu zu lassen und die Individualität des Einzelnen zu tolerieren.

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