Lonely People Talk A Lot

Yuppies in Urbanity

Wer braucht die ganzen Brötchen?

January 13th, 2010 written by moritz

Zurück in Deutschland, nach dem ersten Marsch durch die Stadt. das alte Gefühl der fehlenden Vielfalt. Während in sogenannten unterentwickelten Ländern die Straßen von vielfältigen Händlern gesäumt sind. Verwöhnte Augen durch den Anblick von Händlern die ihre Ware auf der Straße ausgebreitet haben, mobil auf Wägen, in den Händen oder kleine Auslagen in Geschäften haben, wo jeweils unterschiedliche Dinge angeboten werden, schockt mich hier die Monotonie. Die Monotonie der Kamps, Backhus und wie sie alles heißen, wiedert mich an. Dazu noch die neuen Konzepte der Selbstbedienungsbäckereien. Sind in der Vergangenheit freie Ladenfläche des sterbenden Einzelhandels schnell mit Handyläden besetzt gewesen, folgt nur die Welle der Verkoster. Sobald ein Laden frei wird, kann man fast eine Wette darauf abschließen, dass sich dort entweder ein Bäcker oder ein Dönerladen als nächstes niederlassen wird. Wurde ein Laden geschlossen und ein neuer Mieter hat bereits versagt, steigt anschließend die Wahrscheinlichkeit für die Eröffnung eines Nahrungsanbieters auf nahezu 100%. Wie kommt das? Wieso ausgerechnet Dönerläden und Bäckereien?

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Ich nehme an dies ist in der Einfachheit der notwendigen Ressource begründet. Für die Bäckerei brauche ich im Endeffekt eine Theke und einen Heißluftofen. Für den Dönerladen eine Theke und einen Dönergrill. Dazu eine Person als Arbeitskraft und die eigentlichen Rohstoffe kommen aus der Gefriertruhe. Und die sind dann überall die gleichen. Teiglinge oder Spieße aus der Großproduktion, mit billigstem Arbeitseinsatz und dem Ausnutzen von Mitarbeitern gepaart mit den günstigsten Zutaten auf Grund von Staffeleffekten. Ich möchte die Qualität nicht in Frage stellen, ich vertraue auf das staatliche Lebensmittelkontrollsystem. Schmecken tut es mir dennoch nicht mehr. Es ist zu fad. Ich muss nicht zu jeder Zeit frisch aufgebackene Brötchen bekommen. Wieso muss ich die mir überhaupt noch in der Bäckerei holen? Im Endeffekt könnte ich dieses Aufbacken auch gleich bei mir im Herd machen. Und dann habe ich wirklich immer “frische Brötchen”, auch wenn ich mich gegen diesen Terminus zur Wehr setzten möchte.

In meiner Jugend, sind wir regelmäßig nach Rückkehr aus Discothequen noch zum dörflichen Bäcker gegangen. Dort lagen er auf dem Tisch, der frische Teig. Der Geselle hat daraus Brötchen und Brezeln gedreht. Die kamen in den Ofen der Backstube, während wir noch Kaffee getrunken haben. Wenn sie fertig waren wurde sie in Kisten gefüllt und in die Filiale geschafft oder wanderten bevorzugt in Form von Käsestangen direkt in unsere Mägen. Das waren wirklich frische Brötchen. Meist hat man noch ein paar zu Hause für die Familie mitgenommen, immerhin umging man so das morgentliche Aufstehen zum Brötchenholen. Und irgendwann im Laufe des Nachmittags waren die Brötchen in der Bäckerei aus. Es gab noch etwas Brot, aber keine Brötchen mehr. Und das war auch gut so. Heute ist es on demand, wann immer ich zum Bäcker gehe liegen noch zig Brötchen in der Auslage. Was mit denen wohl anschließend passiert? Vermutlich wandern sie auf den Müll. Aus dem Film: We feed the world ist mir folgendes Zitat hängen geblieben. “Die Stadt Wien wirft täglich so viel Brot weg, wie die Stadt Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs pro Tag benötigt.” Widerlich. Ich will keine Bäckereien mehr sehen, zumindest nicht in diesem Umfeld, ich möchte Bäckereien mit eigener Backstube, Bäckereien in denen ein Handwerk ausgeübt wird und keine Dienstleistung. Ich möchte wieder genießen. Doch es wird schwieriger. Hier in Hamburg kenne ich derzeit nur eine Bäckerei, die noch eine eigene Backstube hat.

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