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Yuppies in Urbanity

Werbung für Qualität

May 13th, 2013 written by moritz

Es ist ein Armutszeugnis, welches sich die großen Onlinenachrichtenseiten selbst ausstellen. Gemeinsam rufen Spiegel Online, FAZ.net, Sueddeutsche.de, Zeit-Online, RP Online und Golem ihre Leser dazu auf, zukünftig auf Adblocker zu verzichten. Durch diese Adblocker würden ihnen bis zu 25% der möglichen Werbeeinnahmen entgehen und es wäre schwer, weiterhin den Qualitätsstandard zu halten.

Welchen Qualitätsstandard? Online-Zeitungen leben in erster Linie von ihrer Aktualität und Diversifikation. Ereignisse von weltbewegendem Ausmaß, wie der Rücktritt eines Politikers, ein Anschlag oder das aktuelle Ergebnis eines Sportevents interessieren zum Zeitpunkt oder kurz nach dem Ereignis viele potentielle Leser. Meist machen die Redaktionen auch mit einem entsprechenden Teaser auf ihrer Hauptseite auf. Doch morgen, wenn das nächste bahnbrechende Ereignis ansteht, kann damit schon kein Leser mehr begeistert werden.

Der Leser nutzt die Angebote der Online-Auftritte der großen Zeitungsverlage in erster Linie, um einen aktuellen, schnellen Überblick über das Tagesgeschehen zu bekommen, so wie man früher vermutlich die Tageszeitung genutzt hat, um zu erfahren, was gestern in der Welt geschehen ist. So macht man das heute Live. Die Qualität dieser Live Artikel ist meist von untergeordnetem Interesse, denn für die Zeitung ist es erstmal nur wichtig, das Themenfeld zu besetzen, um Stammleser zu halten und neue zu gewinnen. Während sie die Stammleser mit dem Teaser auf der Startseite schon befrieden und informieren kann, findet sie neue in erster Linie durch Google oder Soziale Netze. Doch, um bei Google auffindbar zu sein oder in sozialen Netzen geteilt zu werden, muss man natürlich erstmal Inhalt produzieren. Dieser Inhalt wird dann (dem Leistungsschutzrecht entsprechend in Form kurzer, zu definierender Schnipsel) in Sozialen Netzwerken geteilt oder von Google indexiert und ist somit auffindbar. Internetnutzer, die nun durch diesen Schnipsel via Sozialen Netzwerk oder Google Suche darauf aufmerksam werden, folgen dem Link und kommen auf das Angebot der Zeitung wo der aktuelle Inhalt angezeigt wird.

Zu diesem Zeitpunkt ist noch kein Geld geflossen, allerdings sind auf Seiten der Verlage bereits Kosten entstanden. Kosten für den Betrieb der Infrastruktur und die Erstellung des Artikels. Um diese Kosten zu decken, greifen die Verlagshäuser auf Banner und Werbeinventar zurück, welche den Artikel und die Seite umgeben und für die Werbetreibende bereit sind, Geld auszugeben. Denn mit diesem Geld können sich Werbetreibenden die Gewissheit kaufen, dass sie auf einem Angebot wie Spiegel Online für tausende von Lesern im sichtbaren Bereich auftauchen. Da in der Vermarktung Reichweite gleich Umsatz bedeutet sind die Verlage versucht, möglichst viele Leser auf ihre Seiten zu holen. Dies können sie auf der einen Seite mit den oben skizzierten aktuellen Ereignissen machen, oder aber auch dadurch, dass sie möglichst viele Themen besetzen um, speziell über Google an zusätzliche Abrufe zu kommen. So z.B. Zeit-Online, eine Zeitung die man trotz Wolfram Siebeck nicht zwangsläufig im Umfeld der Küche ansiedeln würde. Dennoch trumpft sie mit einer Kolumne für Alltagsküche auf, mit der bei Google ganz gute Rankings erzielt werden, noch vor mancher Interessenseite (siehe Bild unten). Jede Weiterleitung auf diesen Artikel führt zu mehr Reichweite, weiteren Werbeplätzen, mehr Geld. Und das, obwohl dieses Rezept für Schweinebraten gar nicht publiziert werden müsste, da es in dieser Form schon hundertmal im Internet existiert. Und plötzlich stellt man sich die Frage, für was wird der Inhalt überhaupt produziert? Für den Leser oder etwa doch den Werbekunden?

Diese kurze Ausführung soll erklären, wie Zeitungen ihre Kosten decken können und welches Interesse sie dabei verfolgen. Sie versuchen sich für die Werbekunden hübsch zu machen. Doch was ist das eigentliche Kapital der Zeitungen? Ist es der Werbekunde oder der Inhalt? Nein, das Kapital der Verlage sind ihre Leser. Den für diese Leser sollte der Inhalt produziert werden und diese Leser sind es auch, an denen die Werbetreibenden interessiert sind. Nur spielen leider die Leser nicht mit, wie es sich nach Ansicht der Verlagshäusern gehört. Denn verständlicherweise ist der Leser am Inhalt und nicht an der Werbung interessiert und blendet sie mir Hilfe von Adblockern aus. Die Verlagshäuser die in den vergangenen Jahren des Übergangs vom Print- zum Onlinejournalismus schon immer mit einer konsequenten Rückständig- und Ideenlosigkeit geglänzt haben werden zu Bittstellern gegenüber ihrer Leserschaft. Statt alternative Wege zu beschreiten, andere Angebote anzubieten und zu versuchen fällt ihnen nichts anderes ein, als an die Vernunft der Leser zu appelieren.

Ich bin mir bewußt, dass Verlage Kosten haben, die sie decken müssen, damit ich als Leser weiterhin Inhalte gezeigt bekommen kann. Ich sehe allerdings nicht ein, dass der Verlag als einzige Möglichkeit Werbeanzeigen dafür zur Option stellt und ich selbst für den Erhalt des Inhalts damit Leben soll, dass mir im und um den eigentlichen Artikel herum Anzeigen gutiert werden, die nicht durch Qualität sondern einzig und allein auf Grund des gezahlten Preises erscheinen.

 

Nachtrag: Als erstrebenswertes Model bei dem ich zwischen zahl und werbefinanzierter Nutzung auswählen kann, möchte ich hier ausdrücklich Spotify anmerken. Sollten Verlage eine Alternative zum Werbemodell aufzeigen, wäre ich nicht mehr so laut und kritisch, aber nur zu jammern, dass keiner Zahlen will und daher die Werbung notwendig ist finde ich erschreckend einfallslos.

 

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