Donnerstag Abend, FUH in Ottensen, bei nettem Essen nahm ich zum ersten Mal am Treffen der I-15 Teil. Injiziert von Tina, Peter und Moritz traffen 19 Interessierte zusammen, um sich über die zukünftigen Tendenzen des Netzes zu unterhalten, ihre Thesen zu proklamieren und Forderungen an die notwendige, zukünftige Ausrichtung des Netzes zu stellen. Die Teilnehmer kommen mit durchweg unterschiedlichen professionellen Hintergründen aber einem gemeinsamen Problem. Das Netz und der Umgang mit dem Netz hat sich für das Individuum geändert. Der Hype ist vorbei. Es beginnt eine ernsthafte Auseinandersetzungen mit dem kulturellen und soziologischen Einfluss des Netzes. Der Name: “I-15″ steht für “Inititative 15″, Peter hat sie kurz auf der Twittnite vom 02.12.2009 angerissen, auf dem er kurz auf die Beweggründe einging. Wie wird das Netz in Zukunft die Gesellschaft beeinflussen und wie kann man einen Beitrag dazu leisten, dass dieser Einfluss die Gesellschaft vorwärts bringt, sprich positiv für die Gesellschaft ausfällt. I-15 steht für 15 Jahre Internet. Viele der Anwesenden der Veranstaltung waren von Anfang an dabei. Persönlich konnte ich mich erst später anschließen. Fehlendes Wissen und die fehlenden technischen Möglichkeiten sind hier als Gründe zu nennen. Doch erfolgte mein Einstieg in meinen Augen zu einem noch frühen Stadium, zu dem das Netz noch vielfältig war. Jeder, der daran teilhaben wollte und sich präsentieren, oder einfach nur seine Präsenz zeigen wollte besaß zu diesem Zeitpunkt eine eigene Webpage, die er selbst erstellt und designed hat. Jede einzigartig, jede anders.
In Zukunft regiert die Monotonie
Mit dem Start des sogenannten Web2.0 setzte eine neue Art der Interaktivität ein. Um Inhalte ins Netz zu stellen musste ich mich plötzlich nicht mehr mit Code und Design auseinandersetzen, das Netz ließ sich bedienen wie zuvor mein Rechner. Ich lade Dateien von A nach B, die Prozesse transparent und somit in Erwartung eines bestimmten Ergebnisses. Für diese Vereinfachung wurde die Vielfältigkeit verdrängt. Es gab nicht weniger individuelle Seiten und Darstellungen als zuvor, zumindest nicht im absoluten. Relativ sank der Anteil der individuellen Darstellungen. Ganz einfach, durch die steigende Anzahl der Teilnehmer, denen die vorgegebenen Sets und Möglichkeiten der unterschiedlichen Plattformen genügten. MySpace, als erste, wirklich große weltweit umspannende Community bot noch zahlreiche Möglichkeiten zu Individualisierung des eigenen Auftritts. Für einen individuellen Auftritt musste man sich jedoch mit dem Thema tiefer gehend beschäftigen und Code einfügen, bearbeiten und anpassen. Dann kam Facebook. In Deutschland kurz darauf StudiVZ was zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger eine eins zu eins Kopie des amerikanischen Vorbildes war. Facebook ist langweilig. Alle Seiten sehen gleich aus. Die Möglichkeiten sind einfältig und beschränkt. Dazu kommen die angepriesenen Schnittstellen zum Anbinden von Applikationen. Leider verstärken diese den Trend zur Monotonie noch weiter. Die meisten Applikationen nutzen diese Schnittstellen um vorgefertigte Daten auf Facebook zu posten. Die Sinnhaftigkeit der Inhalte dieser Standardmeldung zeigen im Endeffekt nur eines. Die Langeweile des Nutzers. Es fehlt die Orginalität der Beiträge. Zu viel Retorte, zu wenig Individualismus.
Mich erinnert die Phase die wir derzeit erleben an zwei Beispiele, die ich dem Buch “Denkwerkzeuge der Höchstleister” von Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer entnehme. (Kapitel 2: Denkhintergrund: Taylorismus – Aufstieg und Fall einer genialen Idee) Folgen sich verengender Systeme. Auf der einen Seite steht die Biologie im Kleinsystem der Petrischale:
Bei engen Märkte, setzt sich das stärkere System gegenüber anderer durch Verdrängung durch. (Querverweise auf Darwin erspare ich hier, den Darwin’s: “Survival of the fittest” bezieht sich nicht auf den stärkere Organismus, sondern auf den besser angepassten.) Die linke Petrischale des Anfangsstadiums zeigt das Netz zu Beginn. Es ist viel Platz für alle. Im Moment befinden wir uns in meiner Auffassung in der zweiten Phase und werden bald in die dritte kommen, in der Facebook, Google und Amazon den Großteil des Netzes bestimmen könnten. Ich möchte eindrücklich darauf verweisen, dass die Ausbreitung der Platzhirschen nicht zu einem Verschwinden der Nischen führen wird, sondern, dass die Nischen im relativ zum Gesamtbild kleiner werden. Ein weiteres Bild aus dem gleichen Kapitel bezieht sich auf die Industrialisierung und Globalisierung der Wirtschaft:
Dort ist unsere Erfahrung deutlich weiter, als unsere Erfahrung mit dem Netz ist. Aber, die Entwicklungen, die sich dort dargestellt haben, werden in selbiger Form auch im Netz stattfinden und da ich im Moment noch nicht den Punkt erreicht sehe, an dem wir uns von standardisierten Massenprodukten verabschiedet haben, habe ich zwar die Hoffnung, dass die Vielfältigkeit der Produkte zunehmen wird und tiefer auf meine individuellen Bedürfnisse eingegangen wird, jedoch kann ich zum heutigen Zeitpunkt diese Entwicklung nicht flächendeckend und Mainstreamkompatibel entdecken. Die individuelle Zusammenstellung von Konsumgütern und Dienstleistungen die auf unserem Markt erworben werden können umfassen noch eine gewisse Subersivität. Doch nach Joseph Heath Konsumrebellen – Mythos der Gegenkultur, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass subersive Entwicklungen zur Commoditiy und zum Mainstream werden.
Wie wir die individuelle Vielfalt des Netzes erhalten können und es somit zu einem Abbild unseres Anspruchs an die Gesellschaft der Individualität machen können ist mein Anliegen, welches ich gerne zur Debatte der I-15 beitragen würde.

