Donnerstag Abend. Hamburg. Meine Geschwister, Ronja, Philipp und Jakob zu Besuch. Johannes und Philipp sind auch da. Wir treffen uns auf der Schanze. Es ist wundervolles Wetter. Nach der Sofabar begeben wir uns ins Caroviertel. Es lockt das Yoko Mono. Wir quatschen und trinken Bier. Johannes und Philipp verlieren ein bisschen beim Billard. Eine Damengruppe von drei Mädels fragt ob an unserem Tisch noch Platz ist. Klar, wieso nicht?
Philipp und Johannes kommen zurück. Philipp ist auf der Suche nach einem ganz speziellen Taschenladen. Er fragt die Damen, ob sie aus Hamburg kämen und ob sie den Laden kennen würden. Sie antworten im freundlich und geben ihm den einen oder anderen Tip.
Philipp will es genau wissen. Er hackt nach.
Es kommt zum Eklat. Besser gesagt, es kommt zum Grund wieso mir die pseudointellektuelle Gesellschaft auf den Zeiger geht.
Beim wiederholten Nachfragen antwortet eine der Damen: “Sag mal, siehst du nicht, dass wir hier in einem Gespräch sind?” Es werden Nettigkeiten ausgetauscht.
Wahnsinn. Wo sind wir hier gelandet? Ich bitte um die Definition der Intimsphäre im urbanen Raum. Bisher ging ich davon aus, dass die letzte Bastion der Intimität in der Großstadt die eigenen vier Wände seihen. Aber anscheinend täuschte ich mich in diesem Bereich. Seit gestern weiß ich, das ich jeden freien Raum zur Intimsphäre für mich und meine Gesprächspartner deklarieren kann. Wunderbar. Wieso lebt man dann eigentlich in der Stadt? Welche Themen werden in diesen Runden wohl besprochen? Drei Frauen, hmm, ich nehme an es geht um Typen. Mit Sicherheit. Wer wann mit wem und wer sich wann wieso nicht gemeldet hat. Am Ende kommt man dann vermutlich auf den Trichter, dass schwule Männer ja eigentlich die nettesten Männer wären, aber leider halt schwul. Sowas kommt immer gut. Alle Frauen unterstützen diese Ansicht, ständig. Woher sie das wissen? Ich weiß es nicht. Vermutlich aus dem Fernsehen. Die schwule Werbeszene leistet beste Arbeit, ihr Bild nach aussen als möglichst positiv darzustellen. Ob es in Wirklichkeit so ist, wie all die Frauen immer behaupten möchte ich bezweifeln. Egal. Jeder soll machen was er will. Aber in der Öffentlichkeit ist nun mal Öffentlichkeit und im freien Raum hat niemand das Recht, seine Privatsphäre ein zu fordern. Ich will nicht schmuckes Beiwerk am Tisch sein, oder schlechtes Beispiel für das ach so hochtrabende Gespräch neben mir. Ich will dort sein, weil ich Leute treffen will. Weil ich Geschichten hören will. Weil ich mich unterhalten will.
Wenn ich darauf keine Lust habe, bleibe ich zu Hause. Wenn ich ausser Haus gehe, bin ich auf Empfang. Und das erwarte ich auch von allen anderen. Komischerweise trifft das auf alt eingesessene oder geborene Hamburger auch zu. Aber die neue Boheme, die nach oder zum Studium nach Hamburg gezogen ist, sieht die Stadt als ihren Laufsteg. Fixies, Karottenhosen, Pony und Wayfarer, look at me, I’m cool.
Ich kotze gleich.
August 29th, 2009 - 23:14
Hey Mo, netter Artikel.
Die weibliche Theorie, dass schwule Männer wohl die besten Männer wären möchte ich hier gleich mal widerlegen. Ich wohne in einer WG mit einem schwulen Pärchen und die haben die selben Probleme wie wir heteros. Der eine vernachlässigt seinen Freund weil er den ganzen Tag nur am Computer sitz und zockt und der andere kommt teilweise das ganze Wochenende nicht vom Sofa hoch.
Aber bitte Mädels, ich will euch eure heile Welt der Einbildung nicht kaputtmachen. Glaubt nur weiter dass schwule Männer die besten sind und dass Jonny Depp euch jeden Tag einen Strauch Rosen von der Arbeit mitbringt
Grüße von der Insel.
August 30th, 2009 - 12:37
Jemanden zu verurteilen, weil er scheinbar banale Themen bespricht und keine Lust hat mit Fremden eine Unterhaltung zu führen? Diese Personen deswegen als arrogant zu betiteln?
Ist das nicht eine arrogante und nur scheinbar subtile art und weise seinen verletzen stolz nach außen zu kehren?
August 30th, 2009 - 16:35
Und ich dachte immer, du bist der perfekte Frauenversteher……..