Zwei Schlagworte des heutigen Tages bringen mich den Tränen nahe. Tränen sind es vielleicht nicht, aber dennoch ein Einschnitt in die Menschenrechte die sich eigentlich in der Ignoranz des Individuums darstellen und Ursache und Wirkung verwechseln.
1. Internetzensur in Deutschland
2. Verurteilung mit hohen Strafen gegen die Betreiber von Pirate Bay
Art. 5 GG [Recht der freien Meinungsäußerung]
(1) Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetzte, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Eine Zensur findet nicht statt? Gibt es dann mit dem heutigen Tag eine Änderung des Grundgesetzes? Ich möchte nicht falsch verstanden werden und bin selbst ein Feind, jeglicher Darstellung von Inhalten (auf eine Aufzählung möchte ich hier vermeiden in der Angst irgendetwas zu vergessen), die gegen Sitte und Moral verstoßen. Ohne eine Definition von Moral und Sitte aufzuführen, da mir hierzu die Grundlagen fehlen und Moral und Sitte von der Gesellschaft definiert sind. Das entspricht zwar dann dem Zeitgeist, aber ist nicht unbedingt schwarz und weiß zu sehen, bzw. kann nicht in richtig oder falsch unterteilt werden. Ich kenne keiner solcher Seiten, da ich solche Seiten grundsätzlich mit Missachtung und Ignoranz strafe. Kritiker möchten anführen, dass diese Ignoranz gleichzusetzen sei mit Toleranz, da eine Nichtbeachtung, einer Nicht-diskussion gleichzusetzen ist. Das ist in meinen Augen falsch. Bereits das Auseinandersetzen mit schändlichen Inhalten fördert bereits eben jene. Argumente rufen immer Gegenargumente hervor. Zusätzliche Inhalte ziehen weitere Inhalte die ich nicht unterstützen möchte nach sich. Ich schaue weg und versuche sinnvolles von mir zu geben. Werte zu transportieren, die meinem Charakter entsprechen. Möge dieser Charakter in den Augen Anderer auch fehlerbehaftet sein. Was ich unterstützen möchte findet sich in meinen Aussagen wieder. Das ich damit noch nicht mit dem Staat, bzw. dem Gesetz in Konflikt geraten bin legt den Verdacht nahe, dass meine Aussagen und mein Charakter mit der aktuellen Definition des Recht- und Gesellschaftskörper übereinstimmen. Ich lese was ich will, ich schreibe weil ich es kann (technisch), ich höre viel und ich sage was ich denke. Ich bin mittelmäßig gebildet, mittelmäßig erfahren und mittelmäßig vernünftig. Wenn ich das relativierende Füllwort: “mittelmäßig” aus der vorangegangenen Aufzählung streiche bleibt: gebildet, erfahren, vernünftig. Das ist auch richtig. Das stimmt für jedes Individuum. Zumindest irgendwie. Die Relativierung erfahren diese Attribute erst durch die Relation zu Attributen Anderer, oder den Rest der Gesellschaft. Akzeptanz der Gesellschaft als Ansammlung komplexer Individuen hilft die relative Abhängigkeit untereinander zu minimieren und sich mehr auf sich selbst und seinen eigenen Wert in jenem großrtigen Geflecht Gesellschaft zu besinnen. Der Mensch als Süchtiger nach gesellschaftlicher Anerkennung. In diesem Trieb werden wir bei offenem Verstand von der Masse zurechtgewiesen. Früher mit der Hand, dann mit der Waffe, heute durch den Staat.
Der Staat als Hüter der individuellen Freiheit wie im Grundgesetz verankert. “Ist der Staat allmächtig?” Nein, ist er nicht. Es gibt nach verschiedenen Auffassungen nur wenige Institutionen die allmächtig sind. Diese sind aber alle nicht irdisch, nicht physisch, nicht fähig zu kontrollieren oder zu strafen. Beschnitten in der Ausführung da sie keinen Durchgriff auf die irdischen Errungenschaften haben. Der Staat hat diese Möglichkeiten, allerdings fehlt im die Allmacht alles zu sehen, alles zu verstehen und alles bewerten zu können. Ein solch schwacher Staat, dem das Verständnis für eben jene wunderbare Vielfältigkeit der Individuen abhanden gekommen ist nutzt schwache Werkzeuge um den Geschädigten, oder seien es nur den Bedrohten, Sicherheit vorzugaukeln. Er ist nicht fähig diese Sicherheit zu geben. Wer kann mich davon überzeugen, dass eine Zensur durch den Staat, mit Hilfe der Internetprovider zu einem geringerem Austausch eben jenes Gedankenguts kommt, das mit der Zensur eben hätte verboten werden sollen? Nicht das Medium gilt es zu kontrollieren, es gilt ein allgemeines Verständnis, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Freiheit aller zu definieren, zu verbreiten und zu leben.
Logikfehler: Es sollte vermutlich heißen: "Die Logik ist die Liebe der herrschenden Ordnung, Das Chaos ist die Liebe der anders Denkenden."
“Komplizenschaft bei der Bereitstellung von Raubkopien.” Macht insgesamt vier Jahre Haft und knapp 3 Millionen Euro Strafe für die Beteiligten.
Ein Sieg für die Plattengesellschaften und die kommerziellen Kulturvertreiber, gegen Jene, die Kultur um der Kultur Willen vertreiben. Die sehenswertes Teilen wollen. Die hörenswertes gemeinsam Singen wollen.
Geschäftsmodell siegt über Kultur. Eine weitere Schlacht um das “geistige Eigentum” konnte von den Anhänger des alten Systems gewonnen werden. Das System der Verklärung der Kultur zum letzten offenen Markt, der beliebig gefüllt werden könne. Aber nicht von jedem. Sondern von den Gralshütern der “Intellectual Property”. Diesen Gralshütern geht es jedoch nicht um die Kultur. Es geht um die Rendite, um den Profit. Das eingesetzte Kapital muss sich verzinsen. Deshalb wird die verhängte Strafe auch nicht bei den Künstlern und Kulturschaffenden landen. Sondern geht in die Hände der Vertriebler, der Organisierer, der Berechner. Es geht nicht um Kultur, es geht nur um Geld und Marktmacht. Kultur bedeutet nicht Erfolg an der Kassentheke oder Erfolg an der Kinokasse, Kultur die geschaffen wurde um eben jenen Erfolg zu erzwingen widerspricht dem Sinn des Ausdruckes, bzw. des Schaffens. Es entspricht dem Sinn der Wirtschaftlichkeit. Ich will keinen Künstler verhungern sehen, aber auch in dem Urteil zeigt sich ein weiteres Mal, die Einzigen, die an dem Prozess verdienen werden sind die Plattenindustrie als Wächter des geistigen, kulturellen Eigentums. Dieses Eigentum ist seinem Wesen nach monopolistisch, behindert den Austausch und Handel, verhindert Innovationen und straft den Begriff des Privateigentums als Lüge ab. Nutzungsrechte sind keine Eigentumsrechte. Beschränkte Nutzungsrechte machen uns zu Sklaven der Besitzer. Vergleichbar mit dem Landesbesitz von Fürsten, Königen und Fronherren im Mittelalter, die den Boden zentral verwaltet haben und somit zum Herrscher über die, von den Früchten eben jenes Boden abhängigen, wurden. Das “geistige Eigentum” ist der größtmögliche Förder der individuellen Wirtschaftlichkeit jedoch der größte Hemmer des gesellschaftlichen Fortschrittes. Da die Verteilung der immateriellen Güter heute mit dieser unglaublichen technischen Leichtigkeit für alle Erfolgen kann ist es falsch, die Pforten vor den Inhalten zu schließen. Die Inhalte müssen frei sein. Die Leistung die jeder Einzelne in einer solchen Gesellschaft erbringen kann und für die er belohnt werden soll ist die Aggregation dieser Inhalte zu Neuem. Für seine Kunden. Für uns und für mich.
Abschließend ein Zitat aus dem Song 1517 von The Whitest Boy Alive
Hey, you, we just got started,
You can’t end this now.
Hey, you, we just got started,
You can’t end this now.
You’ve payed your dues, you’re free,
Of what are you afraid?
You’ve payed your dues, you’re free,
Of what are you afraid?
Taking on responsibility knowing it will way you down…
Freedom is a possibility only if you’re able to say no.
